Mit der Java Server Page http://www.astrotexte.ch/sources/zeit.jsp möchte ich Ihnen die sogenannten Auslösungsketten veranschaulichen, also die Kette von Hilfshoroskopen zeigen, die in der klassischen Astrologie zwischen das Ereignis selbst und das Radixhoroskop zu setzen ist. Als Radixhoroskop habe ich, wenn nichts anderes eingegeben wird, die aktuell gültige coniunctio media vom 31.12.1980 vorgeschlagen – für Mundanastrologen eine interessante Übung. [RP]

Die Auslösungskette

Ein Online-Programm für Ereignisse

Unter dem Link http://www.astrotexte.ch/sources/zeit.jsp steht Ihnen ein Online-Rechner zur Verfügung, der Ihnen helfen kann, die Qualität eines Zeitpunktes (Eingabefeld "Zeit") im Vergleich mit einem anderen (Eingabefeld "Radix") zu beurteilen. Die Eingabemöglichkeiten sollten klar sein: In den Eingabefeldern können Sie Zeit und Ort angeben - die Zeit ist als mittlere Greenwich-Zeit anzugeben und daher gegebenenfalls im Kopf umzurechnen. Geographische Länge und Breite des Ortes können Sie einem guten Atlas entnehmen oder bei einem geographischen Online-Dienst abfragen. Durch Druck auf "Berechnen" werden die eingegebenen Daten entgegengenommen und die Horoskope der Auslösungskette neu errechnet. Mit dem Druckknopf "Radix ein/ausblenden" können Sie im Aussenkreis der Horoskope die Radixstände ein- und auch wieder ausblenden. Beachten Sie auch die Regionen mit dem Listsymbol : Durch Klick auf diese Region bekommen Sie in einem separaten Fenster die Stände des entsprechenden Horoskops aufgelistet. Wie bei anderen Online-Rechnern von astrotexte.ch ist es übrigens auch hier nötig, dass Sie in Ihrem Browser Java-Applets und Javascript zulassen.

Im folgenden will ich Sie über den Hintergrund der dort dargestellten Auslösungskette informieren. Weiterführende Informationen finden Sie in der Fachliteratur [0].

Von der Qualität der Zeit

In unserer von mathematischen und physikalischen Abstraktionen geprägten Welt sind wir gewohnt, uns die Zeit leer von konkreten Inhalten zu denken, als einen "Zeitstrahl", auf dem jeder Punkt mit jedem anderen vollkommen gleichberechtigt ist.

Der Astrologie aber geht es nicht um das Abstraktum Zeit, sondern darum, wie der Mensch in die Zeit gestellt ist; in diesem Sinne ist sie natürlich kein gleichförmiges Kontinuum, nicht "invariant gegenüber Translationen": Man kann die Zeiten nicht wie Güterwaggons auf einem "Zeitstrahl" hin- und herschieben, sondern jeder Augenblick hat seine einzigartige Bedeutung. So verstanden, ist Zeit nicht blosse Quantität, sondern hat eine Qualität. Der Glaube an sogenannte "Sternstunden", an die "rechte Zeit" oder "günstige Gelegenheit" für eine Unternehmung zeigt, wie vertraut uns auch heute noch diese Vorstellung ist. Im Mittelalter verbildlichte man sich die von Qualität erfüllte Zeit durch allegorische Figuren wie Occasio oder Fortuna. Für den Astrologen drückt sich die Qualität der Zeit bildlich in den mundanen, d.h. überall gültigen Konstellationen des einzelnen Zeitpunkts aus. Man kann daher von der Astrologie regelrecht als von einer Lehre von der Bedeutung der Zeit sprechen.

Bedeutung aber erfordert einen Bezug – ein Subjekt, für das die Umstände als mit Bedeutung erfüllt erscheinen. So ist es auch mit den aktuellen Gestirnkonstellationen. Sie müssen auf ein konkretes Subjekt bezogen werden, sonst sind sie eben nichts weiter als Konstellationen. Dieses Subjekt kann in der Mundanastrologie auch die Menschheit als Ganzes, ein Volk, die Wohnbevölkerung einer Stadt oder die Besatzung eines bestimmten Linienflugzeugs sein. In der Individualastrologie dagegen ist das Subjekt immer der einzelne Mensch.

Um den Bezug zwischen den Konstellationen eines Zeitpunkts zum Subjekt herzustellen, bedarf es eines Vergleichshoroskops. In der Mundanastrologie verwendet man hierzu Gründungshoroskope, Zeitpunkte des Inkrafttretens eines bestimmten Gesetzes und dergleichen, aber auch die Horoskope der Grossen Konjunktionen, wenn es um die gesamtmenschheitliche Bedeutung geht. In der Individualastrologie ist der Bezug durch die Radix gegeben. Nur durch den Vergleich mit der Radix wird der aktuelle Sternenhimmel mit Bedeutung für den Geborenen belegt. Üblicherweise beobachtet man Transite, also Übergänge der laufenden Planeten über Planeten, Achsen oder Aspekte des Radixhoroskops. Andere Bezüge ergeben sich durch weitläufigere Analogien: Ein stark im achten Feld stehender Radixplanet kann beim Eintritt dieses Planeten in das Zeichen Skorpion "aktiviert" werden, wodurch das Aspektgefüge in den Vordergrund tritt, in das er im Radixhoroskop eingebunden war. Auch wiederkehrende Konstellationen sind nicht zu unterschätzen: Eine laufende Aspektverbindung bekommt dann besonderes Gewicht für den Geborenen, wenn auch in der Radix bereits eine Verbindung dieser Planeten vorhanden war.

Transite

Die Transite sind zweifellos das verbreitetste Instrument der Astrologie, um aktuelle Zeit-Bedeutungen für den Geborenen zu entschlüsseln. Das ist vor allem auf ihre Einfachheit zurückzuführen. Man spricht – mit liebevollem Spott – von den "Transitonkeln" und "-tanten", die mit der Ephemeride (heute wohl: dem Pocket PC) durch die Welt laufen und das Leben ihrer Mitmenschen ungebeten mit Warnungen und Empfehlungen begleiten. Keine Frage: Transite sind einfach zu verstehen und anzuwenden, und jeder Astrologe kennt überzeugende Beispiele ihrer Wirksamkeit – aber: sind die Transite auch das wichtigste Verfahren?

Wer in der Astrologie nur Transite berücksichtigt – deren Relevanz nicht bestritten werden soll – hat gleichsam nur den Anfang und das Ende einer langen Kette in der Hand. Hören wir uns hierzu die Ansicht von Alexandre Volguine aus den "Cahiers astrologiques" an (wenn wir auch alle darin enthaltenen historischen Behauptungen hinterfragen):

"Wie gingen die Alten vor? Sie begannen immer mit dem Studium einer Epoche mittels der Direktionen und stellten für den Einzelfall möglichst viele Horoskope auf, Sonnen- und Mondumläufe für zehn Jahre. Ausserdem bedingte die Auslegung eines Horoskops den Vergleich mit Mundanhoroskopen: Eklipsen, Lunationen und Grosse Konjunktionen. Alle Himmelserscheinungen der jeweiligen Zeit wurden im Verhältnis zum Geburtshoroskop und zum Jahreshoroskop [=Solarhoroskop, RP] durchsiebt, ohne dass man die Transite berücksichtigte. Die Transite waren buchstäblich das fünfte Rad am Wagen und dienten nur dazu, das bereits gefundene Ereignis zu bestätigen. Sie waren gleichsam der Sekundenzeiger einer Uhr, den man gewöhnlich nicht beachtet, wenn man die Stunden ablesen will.

Diese geringe Rolle spielten die Transite bis zum Beginn unseres Jahrhunderts. In seinem Lehrbuch der Astrologie widmete ihnen der Engländer Sepharial nur einige Zeilen und begnügte sich mit der Bemerkung, man solle sie weder missachten noch überschätzen.

Die moderne Astrologie hat sich grundsätzlich geändert. Unsere Vorfahren hatten Zeit, viel Zeit; sie konnten sich den Luxus erlauben, an einem Horoskop mehrere Wochen zu arbeiten, Dutzende von Himmelsfiguren zu zeichnen, um die Daten und Ereignisse eines einzigen Jahres zu bestimmen. Die Astrologen des zwanzigsten Jahrhunderts können diese Methoden nicht mehr übernehmen. Heute ist der Gebrauch der Transite allgemein üblich und wird in allen Schulen gelehrt. Einfachheit, Leichtigkeit und Schnelligkeit des Verfahrens sagen allen Schülern zu, so dass sie sie zum einzigen Instrument ihrer Zukunftsdeutungen machen. Infolge der Unterdrückung der Direktionen und Sonnen- und Mondumläufe, die ja den Vergleich mit den Mundanhoroskopen erlauben, kommt es dazu, dass man sie [die Transite, RP] überbewertet und ihnen einen Vorrang einräumt, der ihnen nicht gebührt. Nur die Rückkehr zur Überlieferung kann vor solchen Übertreibungen bewahren.

Eine ernsthafte astrologische Arbeit kann sich nicht nur auf ein einzelnes System stützen, jeder Astrologe müsste die Direktionen, Umläufe und Transite gleichzeitig benutzen; ein wichtiges Ereignis wird nie durch eine vereinzelte astrale Indikation angezeigt.

Es besteht nämlich eine wechselseitige Beziehung oder Abhängigkeit zwischen dem progressiven Horoskop, dem Sonnenumlauf und den Transiten. Meistens ergänzen diese Systeme einander. Sie sind so eng verknüpft, dass die Transite nur Rädchen eines grossen Getriebes sind..." [1]

Die Auslösungskette

Auf der Radix als Grundstein ist eine ganze Pyramide von abgeleiten Horoskopen aufgebaut, die bei der Deutung der Zeitqualität in Betracht zu ziehen sind. Es ergibt sich die folgende sogenannte Auslösungskette:
  1. Die Radix steht am Anfang der Auslösungskette. Ohne ein Verständnis der Radix ist es nicht möglich, die Konstellationen der abgeleiteten Horoskope richtig einzuordnen.
  2. Direktionen sind durch die Erddrehung bewirkte Kontakte der Planeten und Achsen mit sensitiven Punkten des Horoskops in den ersten Stunden vor und nach der Geburt. Es ist nicht üblich, die Direktionen als Horoskop darzustellen (Ausnahme: die Achsendirektionen - also die Direktionen zu ASC und MC - zeigen sich im progressiven Horoskop). Man kann jedoch ein symbolisches Horoskop aufstellen, das die Tierkreisstellen durch Planetensymbole markiert, die zum betrachteten Zeitpunkt die mundane Position des Radixplaneten eingenommen haben. Da die Direktionen sehr empfindlich von der Geburtszeit abhängen – ein Fehler in der Geburtszeit von vier Zeitminuten resultiert in einem Fehler in der Auslösungszeit von einem Jahr – erfordert die angegebene Geburtszeit in den meisten Fällen zuerst eine Erprobung anhand von bereits erfolgten Lebensereignissen (accidentia nati).
  3. Das progressive Horoskop für das n. Lebensjahr des Geborenen wird für den n. Tag nach der Geburt berechnet, und zwar mit der Uhrzeit der Geburt. Darüber, welches Zeitmass hier zu verwenden ist, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Üblicherweise wird mittlere Zeit verwendet, was darauf hinausläuft, dass sich die Achsen des progressiven Horoskops nach dem sogenannten Naibodschlüssel weiterbewegen; das bedeutet, für jedes Lebensjahr wandert die der Achsenberechnung zugrundegelegte Sternzeit um 3m56.5s (oder in Grad 0°59'8") weiter. Die Österreiche Astrologische Gesellschaft weist, im Gefolge von Gräfin Wassilko, darauf hin, dass der mittlere Tag keine Entsprechung in der Natur hat, sondern eine menschliche Konvention ist; astrologisch bedeutsam könne nur der wahre Tag sein, was impliziert, dass das progressive Horoskop auf die wahre Ortszeit der Geburt zu erstellen ist. Wenn man der Gräfin hierin folgt, wächst die Sternzeit mit variabler Geschwindigkeit; ihr Zuwachs in Graden entspricht dem Zuwachs der Sonnen-RA in den Tagen nach der Geburt. Dies ist der sogenannte Wahre Zeit-Schlüssel.
  4. Das Solarhoroskop wird auf den Übergang der Sonne über die Position im tropischen Tierkreis gestellt, die die Sonne zur Geburt innehatte. Es hat eine Gültigkeit von einem Jahr, beginnend und endend ungefähr mit dem Geburtstag.
  5. Das Lunarhoroskop gibt es in zwei Variationen: Das synodische Lunar wird auf die Wiederkehr der radikalen Mondphase errichtet. Das tropische Lunar dagegen wird - analog zum Solar - auf den Übergang des Mondes über die Position im tropischen Tierkreis erstellt, die der Mond im Radixhoroskop einnahm. Das synodische Lunar wird ziemlich selten verwendet. Wenn überhaupt Lunare in der Prognose verwendet werden, nimmt man meist das tropische Lunar.
  6. Die Syzygien ("Paarungen"), also Voll- oder Neumonde, werden schon seit Ptolemäus' Zeiten zur Deutung herangezogen. Sie sind jedoch nicht individuell, sondern von übergreifender Gültigkeit. Besonders für Syzygien gilt, dass sie nicht eigenständig, sondern nur in Relation mit der Radix untersucht werden können.
  7. Das Sonnenaufgangshoroskop wird auf den Sonnenaufgang des zu betrachtenden Tages gestellt. Für sich betrachtet, ist es ebenfalls nicht individuell genug, da es für alle Einwohner des Ortes gilt. Erst in Kombination mit der Radix kann es individuelle Aussagen erlauben.
  8. Das Tageshoroskop wird auf den zu betrachtenden Tag gestellt, jedoch für die Uhrzeit der Geburt. Wieder gibt es den Methodenstreit, ob hier wahre oder mittlere Zeit zu verwenden ist. Häufig sind die Häuserstellungen des Tageshoroskops aussagekräftiger als die des Ereignisses selbst, da sie einen individuelleren Bezug zum Horoskopeigner aufweisen.
  9. Das Ereignishoroskop, das auf den exakten Zeitpunkt und Ort des Ereignisses errichtet wird, bildet das letzte Glied der Kette. Verengt in seiner Relation zum Radixhoroskop betrachtet, ergeben sich die Transite.

Ein Beispiel

Als Beispiel möge uns ein Ereignis dienen, das auch nach über vierzig Jahren noch die Gemüter bewegt und zu vielerlei Spekulationen Anlass gibt: Die Ermordung J. F. Kennedys am 22.11.1963 um 18h30m GMT in Dallas, Texas (32N50, 96W50). Kennedys Radixhoroskop (29.5.1917 20h GMT 71W07 42N20) zeigt die Sonne in 7°50' Zwillinge, ziemlich genau auf dem Uranus des USA-Horoskops.[2] Kennedys eigener Uranus steht in seinem Zeichen Wassermann, in Quadrat zu einer Konjunktion von Jupiter, Mars und Merkur an der Spitze des 8. Hauses in 17°50' Stier. Dies ist der Komplex, den wir in dieser Radix seinem gewaltsamen Tod assoziieren können: Unter diesem Gesichtspunkt steht Jupiter nicht nur für die Ehren und Würden seines Amtes, sondern auch für die USA (Stichwort: 8° Schütze!), der Merkur hingegen repräsentiert auch ihn selbst (Sonne in 8° Zwillinge), der Mars insbesondere in Anbetracht des Hauses, in dem dieses Treffen stattfindet, das jähe Ende dieser Beziehung. In die gleiche Richtung weist die Quadratur zum Uranus, die zum Jupiter gradgenau ist, jedoch durch Übertragung die gesamter Dreiergruppe Merkur - Jupiter - Mars betrifft. Selbstverständlich sind die astrologischen Symbole noch unendlich vielschichtiger und sagen noch viel mehr aus als hier beschrieben (so hängt Merkur/Jupiter sicher auch mit Kennedys Redetalent und diplomatischem Geschick zusammen). Es geht mir jedoch hier nur darum, unter dem Blickwinkel eines bestimmten Ereignisses die aufzufindenden Muster auf das Wesentliche zu konzentrieren. So scheint es mir bedeutsam, dass durch die Zusammenkunft von Merkur und Jupiter symbolisch eine Zwillinge/Schütze-Paarung vorgenommen wurde. Saturn in zehn im Krebs, klassisches Symbol für den Sturz von der Höhe, steht in einer weiten Konjunktion mit Neptun, die geheimnisvollen Umstände dieses Sturzes andeutend.

Im Tageshoroskop, für den 21.11.1963 20h GMT in Kennedys Aufenthalt am Vortag des Attentats, San Antonio (Texas) zu erstellen, sehen wir Merkur (in seinem Exil) in 8°18' Schütze, in Opposition zur Zwillings-Sonne von Kennedy und damit auch zum Uranus der USA. Er steht in Quadratur zum Uranus in Jungfrau, der wie Pluto gerade untergegangen ist. Wir bemerken, dass dieser Aspekt (Merkur Quadrat Uranus) ein wiederkehrender Aspekt, also genau so in der Radix vorkommt. Darüberhinaus spielt er sich auf dem 8. Grad des veränderlichen Kreuzes ab, auf dem auch Kennedys Radix-Sonne und der Uranus der USA stehen. Dadurch erweitert sich dieses Quadrat mit der Radix-Sonne zu einer T-Figur. Mars, Jupiter, Merkur und Uranus sind durch Aspekte (Merkur Quadrat Uranus, Jupiter Trigon Merkur) und Dispositorenverkettung (UR -> ME -> JU <-> MA) verbunden. Somit wiederholt das Tageshoroskop das in der Radix mit Mars, Merkur, Jupiter und Uranus angedeutete Muster - es kommt sogar die Venus hinzu, die durch Analogie den Mars = Spitze acht-Kontakt wiederholt (sie herrscht darüberhinaus sowohl in diesem Tageshoroskop als auch in Kennedys Radix).

Im Sonnenaufgangshoroskop vom nächsten Morgen ist der Merkur-Uranus-Aspekt nun auf wenige Bogenminuten genau, und der Uranus ist nun genau ans MC getreten, während die aus Transit-Merkur und Radix-Sonne gebildete quer dazu in den Häusern eins/sieben liegt. Die beschriebene T-Figur ist nun in eine Lage geraten, in der sie sich nach aussen manifestieren kann.

Auch die letzte Syzygie, der Neumond vom 16.11.1963, ist voller Bezüge zu den beschriebenen Radixkonstellationen. Der Neumond selbst findet auf 23°11' Skorpion statt und somit auf wenige Bogenminuten genau im Quadrat zu Kennedys Radix-Uranus und in Opposition zu seinem Jupiter!

Das Lunarhoroskop vom 10. November 1963 zeigt ein trügerisches Sextil der Sonne mit dem Mond. Die Sonne spannt jedoch mit Merkur und Neptun genau den Oppositionsbogen zu der beschriebenen kritischen Strecke von 18 bis 23 Grad Stier auf (wenn man die Wesensverwandtschaften Sonne/Mars und Jupiter/Neptun bedenkt, wiederholt diese Reihung auch die Dreiergruppe, die sich zu Kennedys Geburt an seinem achten Haus versammelt hat). Bedeutsam ist, dass diese Gruppe sich, wenn das Horoskop korrekterweise auf Washington erstellt wird, im achten Hause aufhält. Auch hier sehen wir wiederkehrend eine Merkur-Uranus-Verbindung: Wie der Merkur im Transit zur Tatzeit ein Quadrat zum Transit-Uranus warf und sich damit dieser bereits in der Radix vorhandene Aspekt wiederholte, so haben wir im Lunarhoroskop ein Quadrat des Lunarmerkur zum Radix-Uranus.

Im Solarhoroskop, zu berechnen für Washington, finden wir, wie später im Tageshoroskop, den Uranus genau am MC! Der Deszendent steht in gradgenauer Konjunktion mit Merkur, der darüberhinaus ebenfalls gradgenau an seinen Radixort zurückgekehrt ist. So werden Merkur und Uranus, deren Aspekte sich, wie wir gesehen haben, auch durch die anderen Auslösungshoroskope hindurchziehen, auch im Solarhoroskop durch die Achsen maximal betont. Damit nicht genug der gradgenauen Aspekte, steht der Saturn auch in gradgenauer Konjunktion mit dem Radixuranus und in Opposition zu Mars, drohendes Unheil ankündigend.

Auch das progressive Horoskop zeigt für 1963 die Betonung von Merkur und Uranus, die sich durch die gesamte Kette zieht: Merkur pr. steht in Konjunktion zum MC r., Aszendent pr. in Quadrat zum Uranus. Weitere Konstellationen, die einen Bezug zu unserem Ereignis aufweisen, kann ich in diesem progressiven Horoskop jedoch nicht erkennen.

Die korrekte Primärdirektion, die dem Ereignis zuzuordnen ist, ist vermutlich ASC dir. Quadrat Uranus - wie die anderen Horoskope der Auslösungskette bereits zeigten, scheint die Geburtszeit ziemlich nahe bei der offiziell angegebenen Zeit von 20h00 GMT zu liegen. Genaueres liesse sich, wie bereits erwähnt, erst nach Ausführung einer Rektifikation anhand der accidentia nati sagen. Die beiden letzten Horoskopdarstellungen sind nur symbolisch zu verstehen, es gibt kein "primärdirektionales Horoskop": Die Figuren zeigen nur, wie sich die Ekliptik im Verhältnis zum radikalen Häusergerüst verschoben hat: Welche Ekliptikpunkte nehmen nun die mundanen Positionen ein, die zur Zeit der Geburt die Planeten eingenommen haben? Primärdirektionen sind auch insofern anders als die anderen vorgestellten Horoskope, als sie nicht "durch Masse" wirken. Ein Ereignis wird nicht durch eine Mehrzahl ähnlicher Direktionen deutlicher angezeigt, sondern jede Direktion zeigt ein anderes, klar umrissenes Ereignis an (oder hat sich in keinem äusseren Ereignis manifestiert).

Beachten Sie in der zusammenfassenden Darstellung der Zeitqualität des Kennedy-Attentats die unterschiedlichen Aufenthaltsorte der Horoskope. Am Tag vor dem Attentat war der Präsident in San Antonio (Texas), 29N30, 98W30. Solar und Lunar sind dagegen vermutlich für Washington, 77W00, 38N52, zu berechnen. Wer sich genauer speziell für dieses Ereignis interessiert, wird nicht umhin kommen, sich mehr biographisches Material über den Präsidenten zu beschaffen.


Quellenangaben

[0] Alan Leo / H. S. Green, Direktionen und ihre Berechnung, Bietigheim 1971 informiert über Direktionen, das progressive Horoskop, Transite, Finsternisse, Tageshoroskope, synodische Mondumläufe und vieles andere. Herbert Freiherr von Kloeckler, Das Solarhoroskop, Transite und aktuelle Konstellationen, Freiburg 1974.
[1] zitiert bei André Barbault, Astrologische Zukunftsdeutung - Transite, M & T Verlag, Zürich 1987, Seite 32f.
[2]Geburts- und Ereignisdaten entnommen aus H.-H. Taeger, Internationales Horoskope-Lexikon, Freiburg 1992.
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