Die Migros

Eine astrologische Unternehmensgeschichte

Inhalt

Die Ausgangslage
Die Erde-Zeit 1802-1980
Die Luftzeit
Der Gründer
Gottlieb und Adele Duttweiler
Einbettung in Zeit und Raum
Als Einkäufer bei Pfister & Sigg
Die Migros AG
Die Genossenschaft von oben
Fussnoten

Die Ausgangslage

Der Mensch muss von der Wirtschaft als Subjekt respektiert werden, anstatt als Objekt in die Rechnung eingesetzt werden. Die Rechnung mit Kräften in Bewegung muss jene alten, auf verstaubten Statistiken und allzu alten Wahrheiten aufgebauten, ersetzen.
Gottlieb Duttweiler [1]

Die Industrialisierung brachte im Europa des 19. Jahrhunderts eine drastische Umgestaltung der Produktionsprozesse mit den bekannten Auswirkungen - der Proletarisierung, der Verelendung, der Verdrängung des Mittelstands durch die grossen Fabriken, der Konzentration des Kapitals in den Händen weniger Grossunternehmer. Mit dem Einzug der Maschinen in die Produktion ging auch die Rationalisierung einher - der Versuch, die Produktionsprozesse nach rationellen Kriterien zu straffen und somit von überflüssigen Kosten zu befreien. Dabei gingen auch die Menschen in die Kalkulation ein, wurden zu Rädchen im Getriebe.

So sah es zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf der Seite der Produktion aus. Auf der anderen Seite, der Sphäre der Verteilung, herrschten in dieser Hinsicht noch geradezu idyllische Verhältnisse. Es ist eine eigenartige Ungleichzeitigkeit, dass man sich erst hundert Jahre nach Beginn der Industrialisierung daran machte, auch die Prozesse der Warenverteilung zu straffen - im 19. Jahrhundert gab es noch keine Warenhausketten; der gesamte Einzelhandel lag in den Händen kleiner und kleinster Unternehmer; die Margen, mit denen operiert wurde, waren nach heutigen Masstäben unglaublich hoch - sie mussten es sein, um die Kosten für unrationelle Warenbeschaffung und für Miete und Unterhalt in den Städten zu decken. Die "industrielle Reservearmee" der Arbeitslosen erhöhte auch den Druck auf das Kleingewerbe und führte zu einer Übersetzung, einer Zersplitterung des Marktes: Die Zahl der Spezereiläden nahm stetig zu. Gab es 1905 noch einen Laden auf 148 Einwohner in der Schweiz, so war es 1929 bereits einer auf 138. [2] Auf der anderen Seite bewarben die grossen Produktionsbetriebe ihre Produkte als Marken und verstanden es, diese Marken im Bewusstsein der Konsumenten zu verankern - die sich daraus ergebende ökonomische Macht nutzten sie, um feste Preise und Handelsspannen durchzusetzen. Aufgrund dieser Rahmenbedingungen blieben die Preise im Detailhandel hoch - trotz grosser Konkurrenz in der Branche.

Vor allem die unteren Schichten, selbst bereits mit fallenden Einkommen mitten im Industrialisierungsprozess darinnen, bekamen diese Unbeweglichkeit des Einzelhandels zu spüren, indem sie für ihre Lebensmittel Preise bezahlen mussten, die in dieser Höhe nicht nötig, sondern dem unrationellen Wirtschaften des Detailhandels verschuldet waren. Um dem entgegenzuwirken, bildeten sich schon früh im 19. Jahrhundert Konsumgenossenschaften und Lebensmittelvereine. Haushalte mit kleinem Einkommen organisierten sich, um mit ihrem gemeinsamen Kapital Waren in grösseren Mengen beziehen zu können und in den Genuss von Rabatten zu kommen. Hunderte von regionalen Konsumvereinen dieser Art schufen sich im Jahre 1890 als Dachverband den Verband Schweizerischer Konsumvereine (VSK), dem im Jahre 1920 493 Genossenschaften mit 363.400 Mitgliedern und einem Gesamtumsatz von rund 172 Mio. Franken angehörten.

Wenn man das Aufkommen der Warenhausketten zu Beginn des 20. Jahrhunderts beurteilen will, so muss man diesen Hintergrund kennen: Triebfeder der neuen rationellen Verteilungsformen war nicht das Profitstreben Einzelner. Der Vesuch, die Lebensmittelpreise durch neue Verteilungsformen zu vergünstigen, war sozial motiviert, stand in der Tradition der Konsumgenossenschaften und Lebensmittelvereine. Es war eine logische Folge der Rationalisierung im Bereich der Produktion, dass früher oder später auch nach effizienteren Wegen der Warenverteilung gesucht werden musste.

Das gilt auch und besonders für die beiden Grossen des Schweizer Detailhandels. Die Schweizer Warenhauskette Migros ist heute, dicht gefolgt von coop, die umsatzstärkste Unternehmung dieser Branche. Beide zusammen halten rund drei Viertel des gesamten Umsatzes in diesem Sektor. Aber beide sind Genossenschaftsbünde! Die coop steht direkt in der Tradition der erwähnten Konsumgenossenschaften. Die Migros hingegen wurde zunächst als Aktiengesellschaft gegründet, aber später in einen Genossenschaftsbund umgewandelt. Wie wir noch sehen werden, waren auch die Motive des Migros-Gründers Gottlieb Duttweiler sozialer Natur: Den Dienst am Schweizervolk hat er stets höher eingeschätzt als das Verdienen, und je älter er wurde, desto mehr trat das Profitstreben hinter humanitären und sozialen Interessen zurück.


Die Erde-Zeit 1802-1980

Wie in meinem Vortrag über die Grossen Konjunktionen erläutert, sollten astrologische Geschichtsbetrachtungen von den durch den Jupiter-Saturn-Zyklus gegebenen rund zweihundertjährigen Elementphasen ihren Ausgang nehmen. Wir befinden uns seit kurzer Zeit (nämlich seit 1980) im Luft-Trigon, während vorher das Zeitgeschehen durch das Erde-Element gefärbt wurde. Diese gerade vergangene Erde-Zeit des Jupiter-Saturn-Zyklus nahm ihren Anfang in der nebenstehend abgebildeten Grossen Konjunktion von 1802, hier in ihrer Relokation auf Zürich, den Ort der Migros-Gründung.

Wir sehen die Konjunktion von Jupiter und Saturn im 5° Jungfrau - schon durch die Zeichenstellung wird das Ordnen, das Sammeln, das Vernunftgesteuerte, das eigentlich Ökonomische zum Thema erhoben. Das Einsammeln von Profit, der persönliche Eigennutz, aber auch die erwähnte Rationalisierung sind Realisierungen dieser Konjunktion. Jungfrau steht auch - in Analogie mit dem sechsten Feld - in Zusammenhang mit der Arbeit, in der Jahreszeitenanalogie vor allem für die Erntearbeit. Verstärkt werden diese Motive auch durch die Konjunktion der Sonne mit Merkur.

Zu bemerken ist auch die Opposition von Jupiter/Saturn zu einer Mond-Pluto-Konjunktion in den Fischen. Das stellt den klar umrissenen, rationalen Zielsetzungen von Jupiter/Saturn ein undeutliches, aber machtvolles Kollektiv gegenüber. Der Mensch läuft Gefahr, zum Massenmenschen zu werden, ja er gefällt sich darin auch und geht gern in der Masse auf. Neben der Mars-Neptun-Opposition von eins nach sieben ist diese Achse wohl der spannungsreichste Aspekt im Horoskop dieser Erdezeit.

In das 19. Jahrhundert fällt auch die Gründung vieler Nationalstaaten nach dem Muster Frankreichs und der USA. Die Gründungen erfolgen nicht im Überschwang patriotischer Gefühle, sondern eher aus rationalen Erwägungen. Im Konjunktionshoroskop sehen wir die Sonne-Merkur-Konjunktion im vierten Haus (dort steht sie nicht nur in Zürich, sondern für einen grossen Teil Europas) und im vierten Zeichen Krebs. Merkur ist rückläufig, was der Konjunktion viel von ihrer Dynamik nimmt - es deutet eher auf eine misstrauische, auf den eigenen Vorteil bedachte Kultur des Bewahrens als auf Erneuerndes hin.

Überhaupt sind das Streben nach Stabilität, Territorien und Grenzen Erde-Themen. Aber auch der Wohlstand, das Wohnen und der persönliche Lebenskomfort, die materiellen Grundlagen des Lebens, gehören zur Erde. Wir konnten in den letzten 200 Jahren eine sehr starke Hinwendung zum Materiellen wahrnehmen - besonders deutliche Auswüchse zeigte der Materialismus des 19. Jahrhunderts, in subtilerer Form wirkt diese Denkart aber noch bis heute nach, als der irrige Glaube, aus den Zusammensetzungen und Umwandlungen von Stoffen im Gehirn den menschlichen Geist ableiten zu können. Wenn man dazu bedenkt, wieviel Erfindungsreichtum in den letzten 200 Jahren gerade in materielle Annehmlichkeiten investiert wurde, können wir gar nicht anders als dieser Zeit eine Erdequalität zuzuordnen.

So stellen sich auch die sozialen Bewegungen, die nach Umgestaltung der Gesellschaft streben, ganz in die materielle Sphäre. Das Reich der Ideen ist ihnen nur Überbau, ähnlich der Religion vernebelt es den Sinn für das Konkrete, die Schaffung gleicher materieller Voraussetzungen für alle. Rückblickend müssen wir sagen: Der Nebel ging eher vom Kommunismus und ihm verwandten Ideologien aus - trügerische Fehleinschätzungen des Menschen und der Gesellschaft führten zu dramatischen Verwirrungen. Überhaupt gab es in den letzten zweihundert Jahren eine grosse Empfänglichkeit für Ideologien, vor allem wenn sie mit einem kämpferischen Anspruch (Mars) daherkamen und dem menschlichen Erlösungsbedürfnis Rechnung trugen, indem sie ihm eine mystische Einheits- oder Verschmelzungsperspektive (Neptun) boten. Dies ist nicht mehr das allgemeine Erdethema, sondern die Mars-Neptun-Opposition nahe an der Horizontachse: Der kämpfende Einsatz für ein überpersönliches Ziel - ideales Einfallstor für Demagogen. Das Erdelement zieht diese Ziele lediglich ins Materielle - es geht um den "Himmel auf Erden".

Es ist nicht verwunderlich, dass in einer solchen Zeit ein besonderes Augenmerk auf die ganze Sphäre der Wirtschaft gerichtet wird - sowohl auf die Produktions- als auch auf die Verteilungsseite. Denn sie ist genau das Erdelement, der Stoff, mit dem der Mensch arbeitet und aus der er als Konsument Lebensgenuss zieht. In einer Erde-Zeit herrscht eine besondere Hellhörigkeit für Innovationen in der materiellen Sphäre. So lagen auch die neuen Verteilungsformen, mit denen Herr Duttweiler im Jahre 1925 in der Schweiz an die Öffentlichkeit trat, ganz im Zuge der Zeit, waren ein typisches Phänomen der vergangenen Erd-Epoche.


Die Luftzeit

Bevor wir in die Geschichte der Migors und ihres Gründers einsteigen, wollen wir noch die zeitliche Weiterentwicklung in der aktuellen Luftzeit behandeln, die 1980 begann und noch bis ins Jahr 2159 wirksam bleiben wird.

Zur Zeit stehen wir noch im Banne der vergangenen Erd-Epoche, was auch mit dem "Rückfall" ins Erdelement zu tun hat, der Grossen Konjunktion vom Mai 2000 im Zeichen des Stiers. Die alten Themen werden wieder und wieder aufgegriffen. Zugleich sind aber die neuen Luftthemen bereits deutlich spürbar. Luft ist Pneuma, ist Geist. Zum Wesen des Luft-Elements gehört eine höhere Bewertung ideeller Elemente im Leben. In frühere Luftzeiten fällt der Streit der Realisten mit den Nominalisten und der Arianer mit den Athanasianern. Typische Luftphänomene unserer Zeit sind beispielsweise die "Political Correctness" und der religiöse Fundamentalismus. Das gemeinsame Element ist, dass man nicht mehr daran interessiert ist, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind - sondern so, wie sie in die jeweilige Gedankenwelt passen.

Da gibt es beispielsweise Leute, die behaupten, nicht mehr von physischer Nahrung, sondern nur noch von Licht zu leben. Mir geht es nicht darum, was davon zu halten ist, sondern dass sich darin eine typische Eigenart der Luftzeit ausspricht: die materielle Seite des Lebens abzuwerten, herunterzuspielen, zu ignorieren, während die Ideenwelt an Glanz gewinnt. Übrigens lässt sich zwanglos auch die Zerstörung der Erde, deren Zeugen wir aktuell werden, als Luftphänomen verstehen. Zwar sind die rauchenden Schlote, die Gifte und Abgase, eine Hinterlassenschaft der Erde-Zeit - die Einstellung aber, all diese Dinge zwanglos zu ignorieren und sich stattdessen mit geistigen Fragen zu befassen, ist eine Luft-Einstellung. In der Erdezeit hat man den Naturschutz einzig aus Profitgier unterlassen. In der Luftzeit unterlässt man ihn, weil man andere Dinge für interessanter oder wichtiger hält. Das ist viel beängstigender: Ein profitgieriger Mensch ist immerhin noch materiell genug gesinnt, es mit der Zerstörung der Lebensgrundlagen nicht bis zum Äussersten kommen zu lassen. Viel gefährlicher ist es aber doch, wenn man - ähnlich einem Selbstmordattentäter - das eigene Leben und dessen materielle Grundlagen schlicht ignoriert, weil man irgendwelche Ideen höher einschätzt.

Im Übergang von der Erde zu Luft werden die alten Themen zuerst noch fortgesetzt - die Prozesse im Wirtschaftsleben werden nun mit Hilfe von Rechnern weiter optimiert. Computerprogramme sind eigentlich kristalliserte Ideen, in der Materie inkarnierte Gedanken. Die Fortsetzung der Rationalisierung mit Hilfe von Computern bedeutet somit bereits eine Verlegung der Aufmerksamkeit hin zur ideellen Sphäre. Es ist daher nicht besonders erstaunlich, dass seit den achtziger Jahren die Rechner eine rasante Entwicklung genommen haben. Sie passen von ihrem Wesen gut in den neuen Zeitgeist. Auch die Vision des World Wide Web als einer kollektiven Noosphäre der Menschheit, in der der einzelne Rechner analog zu einem Neuron im Gehirn gesehen wird, trägt Luftzüge (auch diese Vision wollen wir nicht beurteilen, sondern nur in Hinblick auf die Zeitqualität verstehen).

Was in der Erdezeit an Stabilität geschaffen wurde, wird in der Lufzeit als fragwürdig eingeschätzt und steht wieder neu zur Disposition. Leider fehlt dem Luftelement selbst jedoch die nötige aufbauende Dynamik, so dass - ausser im kulturellen und geistigen Raum - nicht viel Neues geschaffen wird. Insbesondere die territorialen Ordnungen der Erdezeit unterstehen in der nachfolgenden Luftzeit einer schweren Prüfung. Wie die Völkerwanderung in eine Luftzeit fiel, können wir auch die heutigen Migrationsbewegungen als eine Bewährungsprobe unseres Staatensystems betrachten (dem es vermutlich auf Dauer nicht standhalten wird).

Diese allgemeine Bemerkungen über die Zeitqualität vorausschickend, wollen wir uns nun mit der Geschichte der Migros und der Biographie ihres Gründers Gottlieb Duttweiler befassen.


Der Gründer

Es ist heute und immer etwas zu machen, immer gibt es neue Aufgaben zu lösen, nie alle Plätze besetzt. Um das bescheidenste Unternehmen kann eine Ideenwelt aufgebaut werden. Selbst in der Sphäre der Makkaroni, Zwetschgen und Kaffeebohnen gibt es umwälzende Ideen und siegreichen Durchbruch des Jungen. [3]
Gottlieb Duttweiler

Wer hier so aufmunternd die Jugend des Landes anspricht, war selbst ein ewig Junger - ein unkonventioneller, umtriebiger, ideenreicher, energischer und charismatischer Gründertyp, der ein Projekt nach dem anderen in die Welt setzte und dem das Wort Freizeit ein Fremdwort war. Die "Sphäre der Makkaroni, Zwetschgen und Kaffeebohnen" war Gottlieb Duttweilers Lebenselement - trotz hoher, idealistischer Zielsetzungen war er sich nicht zu schade, sich in diese profanen Regionen zu begeben. Sein Lebenswerk, die Migros, betrachtete er, wie viele andere seiner Gründungen, als Experimente, als Herausforderungen: Die Migros stellte den Versuch dar, die Warenverteilung von althergebrachten, zu Ungunsten des Konsumenten bestehenden Reibungsverlusten zu befreien. Duttweiler sah die Warenverbilligung, die er in all seinen Unternehmungen anstrebte, als Dienst am Kunden und letztlich am ganzen Schweizer Volk.

Das Horoskop Duttweilers zeigt mit Mars, dem Geburtsherrscher am Aszendenten im Zeichen Skorpion die Kämpfernatur. In seinem Leben trat von den Schuljahren an die Aggression von aussen in sein Leben. In der Schule in Aussersihl, die er besuchte, wurde er von den Mitschülern wegen seiner "besseren Herkunft" traktiert. Er war jedoch auch nicht der Typ, Demütigungen auf sich sitzen zu lassen. So war er für die Lehrer ein chronischer Unruhefaktor in der Klasse. Der Lehrer der Kantonsschule für Handel, in die er nach der Sekundarschule wechselte, legte den Eltern nahe, Gottlieb Duttweiler von der Schule zu nehmen, worin diese einwilligten. So kommt es, dass einer der überragenden Schweizer Köpfe des letzten Jahrhunderts ohne Mittelschulabschluss ins Berufsleben ging!

Der Mars wird von einer Merkur/Saturn Konjunktion im neunten Haus durch einen Quadrataspekt bestrahlt. Die Konjunktion, von manchen Astrologen als "Mathematikerkonstellation" bezeichnet, gibt ihm einen ernsten, beharrlichen Geist, der den Dingen auf den Grund gehen will, sich nicht mit Vordergründigem zufrieden gibt. Die Quadratur zum Mars lässt aber auch die marsische Schärfe und Schnelligkeit in die Gedanken einfliessen, nicht selten auch bissigen Humor.

Darüberhinaus wirft die Merkur/Saturn Konjunktion auch ein Sextil auf den im elften Haus stehenden Uranus, so dass das Denken nicht an Altem heftet, sondern voranschreitet, Werkzeug zur Verbesserung der Welt sein soll. Reformen im Dienste der Menschheit, dieses Grundthema variierten fast alle seiner Ideen.

Der Duttweiler-Biograph Manuel Jenni charakterisiert Duttweiler folgendermassen:

Aus meinen Forschungen ergab sich das Bild eines Pragmatikers ersten Ranges, der auf eine bestehende wirtschaftliche oder gesamtpolitische Situation mit auf die Praxis ausgerichteten Vorschlägen oder Taten reagierte, wobei er nicht selten auf theoretische Einwände gar nichts gab und behauptete, mit gutem Willen sei alles durchführbar. Das vorliegende Buch [seine Dissertation über Gottlieb Duttweiler, RP] beschreibt das Wirken eines Menschen der Tat, der oft unreflektiert und spontan vorherrschende Strömungen oder in der Luft liegende Gedanken aufnahm, sie mit eigenen, aus der praktischen Erfahrung hergeleiteten Ideen vermischte und mit den so erhaltenen Vorstellungen neue Wege zur Lösung volkswirtschaftlicher Probleme bestritt. [4]

Gottlieb Duttweiler
Gottlieb Duttweiler
Das passt gut zur Merkur-Saturn-Konjunktion. Warum wird sie als "Mathematikerkonstellation" bezeichnet? Nicht weil sie etwa mathematische Begabung verleihen würde, sondern weil die Gebärde dieser Konjunktion ist: Wie kann sich das Geistige, eine Idee, ein Wort, in der Realität bewähren? Für den Mathematiker ist es eine günstige Eigenschaft, jede Behauptung zu hinterfragen: "Kannst du das auch beweisen?" Aber die Gebärde dieser Konjunktion kann sich in den verschiedensten Lebensbereichen ausdrücken. Bei Duttweiler etwa durch den starken Praxisbezug seiner unternehmerischen Ideen. Hervorzuheben ist auch das von Jenni beschriebene Gespür für "Dinge, die in der Luft liegen"; für einen Menschen, der eine kollektive Konstellation wie Neptun Konjunktion Pluto in seinem Horoskop in so starker Stellung hat, ist das naheliegend. Wir werden darauf noch zu sprechen kommen.

Die Kombination des Merkur mit Saturn und Uranus in diesen Hausstellunge wäre ein günstiger Start für einen Journalisten. Tatsächlich besass Duttweiler die Gabe des Wortes. Seine Migros-Unternehmung begleitete er von Anfang an mit Textinseraten in den grossen Zeitungen, der "Zeitung in der Zeitung". Statt Marken- wollte er eine von ihm so genannte Argumentenreklame treiben. Er ging darin auf aktuelle Tagesereignisse ebenso wie auf die konkrete Situation der Migros ein. Reflexionen über die christlichen Jahresfeste finden sich ebenso wie spitze oder humorvolle Auslassungen zu politischen Fragen. Die Leser wussten zunächst nicht (oder konnten es höchstens ahnen), wer der Autor der "Zeitung in der Zeitung" sei. Erst spät, in der 140. Wochenausgabe der "Zeitung in der Zeitung", offenbarte er sich:

Die Migros mag einst in 20 Jahren nicht mehr sein, oder ein "Geschäft" sein wie jedes andere. Aber ich, die "Zeitung in der Zeitung", werde mein ewiges Leben haben, und wäre es später auch nur im Spiritus der Wirtschaftsarchive, allwo man mich zeigen wird als einen kleinen Kobold und grossen Rufer, der allein den Deckel gehoben, auf dem Zehntausende geruhsam gesessen, und der mit Zorn und Humor die Wahrheit in die Welt herausgeschrien hat, bis ihm der Balg geplatzt. [5]

Dieses Zitat gibt einen guten Einblick in die Säfte, aus denen sein Intellekt zusammengebraut war: Vor allem Humor, Sendungsbewusstsein und Hartnäckigkeit. Es ist interessant, dass der Gleiche, der als Autor so brillierte, als Redner einen eher mässigen Eindruck machte:

In übereinstimmender Erinnerung mehrerer Zeitzeugen war Duttweiler "kein grosser Redner, aber ein faszinierender". Er sprach ausschliesslich Mundart. Die Einfälle kamen beim Reden. Oft schweifte er ab. "Er war sprunghaft, dachte und sprach assoziativ, gliederte seinen Vortrag unsystematisch bis chaotisch. Manchmal brauste er auf, nahm sich aber schnell wieder zurück." Sein Stilmittel war die Modulation der Stimme: Mal ganz leise, mal polternd laut. Blitzschnell ging er auf Zwischenrufe ein und konterte mit wohlgesetzten Pointen. Auffallend häufig waren Zitate. Zeitweise beschäftigte er eine Buchhändlerin, die Jeremias Gotthelf und Gottfried Keller nach Passendem durchforsten musste. [6]

Die Löwesonne - er hat am gleichen Tag wie Napoleon Geburtstag - verleiht ihm dabei einen natürlichen Stolz und ein starkes Selbstbewusstsein, wie es für den Führer eines Wirtschaftsunternehmens unabdingbar ist. Die Gegner titulierten ihn später als "Napoleon de l'Epicerie". Daran wird etwas gewesen sein - ein gewisses majestätisches Auftreten dürfen wir uns bei ihm vorstellen. Und dass er als Newcomer im Einzelhandel diese Branche mit seiner Migros im Sturm genommen hat, hat etwas Napoleonisches.

Hauptkomplex seines an Spannungen nicht eben armen Horoskops ist jedoch die doppelte Opposition gegen Ende des ersten und siebten Feldes. Da steht eine Jupiter/Mond Konjunktion einer Neptun/Pluto-Verbindung gegenüber.

Neptun/Pluto ist natürlich ein Generationsaspekt, der in allen Horoskopen der 1880er Jahre zu finden ist. Bei Duttweiler jedoch ist die Konjunktion durch Aspekt und durch die Hausstellung in sieben stark hervorgehoben. Er wird daher einer der wenigen Nativen aus diesen Jahren gewesen sein, die mit einem feinen Gespür für die Stimmungen der Massen ausgestattet war, der artikulieren konnte, was als Zeitgeist in den Köpfen lebte.

Neptun/Pluto spricht grosse, übergreifende Themen unserer Zeit wie Macht und Verschwendung an (letzteres Thema wird besonders durch die Opposition zu Jupiter und Mond sowie das Quadrat zu Venus verstärkt). Duttweiler hat sich immer wieder - und nicht nur theoretisch - mit diesen Themen beschäftigt). Noch im Jahre 1961, ein Jahr vor seinem Tod, organisierte er in der Stiftung "Im Grüene" eine Studientagung zum Thema Verschwendung als Wirtschafts-Philosophie?, zu der hochkarätige Persönlichkeiten wie Vance Packard erschienen. [7]

Demgegenüber sehen wir die Verbindung von Mond mit Jupiter. Eine separierende Konjunktion mit einem 6° Orbis und Zeichenwechsel scheint nicht eben eine starke Verbindung zu sein. Man sollte aber nicht übersehen, dass der Mond hier im Schütze steht und damit sowieso mit Jupiter-Qualitäten aufgeladen ist. Dieser Aspekt steht für die leidenschaftliche, überschwängliche Hingabe an eine grosse Aufgabe, eine Mission. Die Grundfrage eines Menschen, bei dem diese Konjunktion mit Neptun/Pluto im Widerstreit liegt, könnte also lauten:

Wie kann ich den Drang, Zeitströmungen zu nutzen und aus ihnen Kapital zu schlagen, mit meinem Wunsch, der Allgemeinheit zu dienen, versöhnen?

Dabei ist noch zu beachten, dass - wie eben beim Mars bemerkt - eine Konstellation wie Neptun/Pluto auch von aussen an den Menschen herantreten kann, etwa als eine kollektive Machteinwirkung, die aber letztlich auf tönernen Füssen steht. Dann würde die selbe Opposition als Parteinahme interpretiert:

Wie kann ich mich trügerischer Zeitströmungen erwehren und ihnen einen aus tiefen Quellen geschöpften, von Begeisterung und leidenschaftlichem Einsatz befeuerten Idealismus entgegensetzen?

Es ist bemerkenswert, wie Duttweilers Biograph Sigmund Widmer den Grundwiderspruch seiner Persönlichkeit charakterisiert.

Duttweiler war eine durchaus widerspruchsvolle Natur: ein kaltblütig rechnender Unternehmer, rasch im Denken, entschlossen und oft rücksichtslos im Handeln, ein Showman mit grossen demagogischen Fähigkeiten - daneben aber ein echter Idealist, ein Mensch mit starkem sozialem Empfinden. Kampf für Recht und Wahrheit war ihm jedes Opfer wert. Kraft fand er in einem seltsam handfesten, von jeder Frömmelei freien Christentum, das unentwegt nach dem Glück des kleinen Mannes Ausschau hielt. Die Frage, wie so viel Widerspruch in eines einzigen Mannes Seele Platz finden konnte, ist allein schon faszinierend. [8]

Mond/Jupiter repräsentiert den vom Biographen beschriebenen Empfindungspol, seinen Idealismus, seine Bemühungen um das Soziale - den "Showman mit demagogischen Fähigkeiten" sehen wir dagegen wieder in der Neptun/Pluto Konjunktion. Seine Gegner haben ihm später unterstellt, dass sein Idealismus nur eine Fassade war, eine Verbrämung des Kerns seines Handelns: schlichter Profitmaximierung. Andere haben ihn als Verführer und Rattenfänger gezeichnet, ja mit Hitler verglichen, ihm diktatorische Allmachten unterstellt, seine vielen Gründungen als zentralistisches Imperium diffamiert. Bei vielen seiner Aktionen fällt diese Vermutung leicht - etwa bei seinen stetigen Versuchen, die Regierung zur Lagerung grosser Lebensmittelvorräte für Kriegs- und Krisenfälle zu bewegen - was für ein Glücksfall für den Lebensmittelhandel, wenn es zu einem solchen Gesetz kommt! Eine genauere Betrachtung zeigt aber, dass dieses Anliegen aus persönlichen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg beruht und durchaus im Interesse des Schweizer Volks gedacht ist. Angesichts des Horoskops können wir nur zugestehen, dass es ihm ernst gewesen sein muss mit seinen idealistischen Zielen, die er im Munde führte - wir sehen aber auch, wie sehr sie durch die Öffentlichkeit (7. Haus) missverstanden werden mussten. Es ist nicht pathetisch, nicht Maske, wenn Duttweiler an einen Freund schreibt:

Was mich sehr freute, waren die Worte "Unsere liebe Migros". Nicht wahr, das sind nicht drei Zufallsworte. Die Migros hat eine Seele. Wenn man während Krankheitszeiten daran denkt, so ist etwas Tiefes darin. In schlaflosen Nächten denkt man ja darüber nach, was hinter dem Alltag steht. Es erscheint mir immer wesentlicher, dass wir an das Geistige denken. [9]

Die erste von zehn im Jahre 1950 entstandenen Thesen, einer Art Vermächtnis von Gottlieb und Adele Duttweiler, lautet:

Das öffentliche Bekenntnis zu dieser Grundidee: Dienen im Glaubenssinne. Glaube an das Gute im Menschen. Das ist auch Glaube an Gott. Dieses Bekennen verpflichtet auf das oft erwähnte Christentum im Alltag. Wenn späterhin nicht mehr in diesen Spiegel des Bekennens offen geblickt werden kann, dann ist die Ausrichtung auf dieses Leitgestirn im Begriff verlorenzugehen. [10]

Für einen Spezereihändler, der uns Teig- und Wurstwaren im Selbstbedienungsgeschäft verkauft, sind dies, gelinde gesagt, recht ungewöhnliche Töne. Aber für Duttweiler ist das Privatinteresse politisch. Seine persönlichen Ziele werden geleitet vom Interesse an der Allgemeinheit.

Der Mond ist im Horoskop auch Generalsignifikator für das Mütterlich-Weibliche. In Verbindung mit Jupiter können wir eine besondere Hochschätzung des weiblichen Elements annehmen. Duttweiler verlor schon im 18. Lebensjahr seinen Vater - danach war er der einzige Mann der Familie, umgeben von vier Schwestern und seiner Mutter. Der Migrosgründer wusste, warum er sich von Anfang an mit seinen Schriften an die Frauen richten musste - waren sie doch in der klassischen Rollenteilung der Geschlechter für den Konsum zuständig. Das erste Migrosflugblatt, am 25.8.1925 verteilt, richtete sich daher auch konsequent

An die Hausfrau die rechnen muss! An die intelligente Frau, die rechnen kann! [11]

Das folgende Zitat aus den schon erwähnten Thesen, das ebensowenig als pathetisch missverstanden werden darf, leitet uns zu unserem zweiten Thema, dem Verhältnis von Gottlieb und Adele Duttweiler.

Das Frauenherz ist der sicherste Aufbewahrungsort für unser Ideengut - dort muss es bewahrt und gemehrt werden. [...] Um Gottes Willen die Frauen beiziehen! Wenn der Gründer nicht mehr kann, dann die Gründerin und Mitkämpferin Frau Adele Duttweiler zum Rat in entscheidenden Dingen heranziehen. In ihr liegen sein Wille und sein Geist am klarsten und am gütigsten für alle bereit. [12]


Gottlieb und Adele Duttweiler

Adele und Gottlieb Duttweiler
Die Duttweilers als junges Paar
Im Jahre 1911 lernte Gottlieb Duttweiler lernte seine spätere Frau, die vier Jahre jüngere Adele Bertschi auf den morgendlichen Zugfahrten von Rüschlikon nach Zürich kennen. Zwei Jahre später, am 29. März 1913, heirateten die beiden in Rüschlikon. Es war, soweit wir das wissen, zeitlebens eine harmonische Verbindung. Gottlieb Duttweiler gehörte zu den Führungspersönlichkeiten, die alle wesentlichen Entscheidungen und Probleme mit seiner Frau beratschlagte. Entschlüsse wie die 1940 erfolgte Umwandlung der Migros AG in eine Genossenschaft sind mit der Frau genauestens erörtert worden. Sie drängte sich hierbei nicht gerade auf, wie das folgende Zitat zeigt:

Zuhören fiel mir immer leichter als reden. Reden macht mich müde. Das war schon als Kind so. Da passten mein Mann und ich eben gut zusammen. Aber er wollte durchaus auch meine Meinung und meine Einwände hören, um so zu besseren Lösungen zu kommen. [13]

Der Horoskopvergleich (die Geburtszeit von Adele Duttweiler ist mir nicht bekannt, ich habe für dieses Horoskop die Geburtszeit 12 Uhr MOZ von Gottlieb Duttweiler verwendet) zeigt eine Menge markanter Querverbindungen. Besonders auf die Partnerschaft bezüglich ist vor allem die reziproke Mond/Mars-Beziehung. Wir sehen den Mond Adele Duttweilers auf der Spitze des siebten Hauses und somit in Opposition zum Mars Gottlieb Duttweilers. Der Mars von Adele Duttweiler steht hingegen im fünften Haus Gottlieb Duttweilers, im Trigon zu seiner Mond/Jupiter Konjunktion, die, wie wir bereits bemerkten, auch mit seiner besonderen Hochschätzung des Weiblichen zusammenhängt. Diese wechselseitige Verbindung der beiden Monde und Marse ist wohl die entscheidende Ehekonstellation (nach meiner Erfahrung ist eine solche Reziprozität zweier Faktoren in der Synastrie der entscheidende Hinweis darauf, dass sich die beiden Partner "etwas bedeuten"). Zugleich steht damit fest, dass in Gottlieb Duttweilers Horoskop der Mond der Signifikator seiner Frau ist, so wie der Mars bei Adele Duttweile ihren Mann bedeutet. Dass Adele Duttweilers Saturn den Uranus von Gottlieb Duttweiler überschattet, ist ein Hinweis auf ihren mässigenden Einfluss auf den häufig von Projekten überschäumenden Ehemann.

 

Einbettung in Zeit und Raum

Ein wichtiges Kriterium für den Erfolg einer Unternehmung ist, dass sie gut in den aktuellen Zeitgeist passt. Sie muss einem Bedürfnis entgegenkommen, das zumindest unbewusst in breiten Teilen der Bevölkerung lebt. Der erfolgreiche Gründer spricht dann nur etwas aus, was in der Zeit liegt; er wirkt wie ein Brennglas, indem er das Interesse der Vielen auf eine Sache fokussiert.

Konkret bedeutet dies für die Migros, dass sowohl das Horoskop Duttweilers als auch das der Migros-Gründung starke Resonanzen mit dem Horoskop der herrschenden Erde-Zeit, als auch im Horoskop der Schweiz aufweisen muss.

Das nebenstehende Horoskop der Schweiz wurde von Sándor Belcsák, dem langjährigen Präsidenten der Österreichischen Astrologischen Gesellschaft, nach über zehnjährigem Studium der Schweizer Geschichte im Jahre 1986 veröffentlicht. [14] Zwar sind die Schweizer gewohnt, am 1. August ihren Bund zu feiern, und auch Fankhauser rechnet kritiklos mit dem 1. August - aber der Bundesbrief ist nur vage auf "Anfang August" datiert. Da gibt es einen Spielraum - und nach dem Studium von rund tausend Horoskopen aus der Schweizer Geschichte kann ein Astrologe wie Belcsák es wagen, eine Rektifikation zu veröffentlichen, einen Anfangszeitpunkt aus geschichtlichen Ereignissen (eine Art accidentia nati für einen Staat) zu bestimmen.

Ich finde dieses Horoskop durchaus passend auf die Schweizer. Das durchlaufende Himmelstrigon Sonne Saturn Mond symbolisiert den langwährenden Freundschaftsbund. Die starke Löwebesetzung mit Uranus, Sonne, Mars und Jupiter korrespondiert mit dem starken Selbstbewusstsein der Schweizer, ihrer Wehrhaftigkeit und Standfestigkeit. Die Venus im zehnten Haus im Krebs steht für das freundliche, gewinnende Wesen der Schweizer wie auch ihre starke Heimatbindung, während ihr gegenüber der Mond im Zeichen Steinbock eine gewisse Kühlheit und Reserviertheit, ja Zähigkeit andeutet. Der Jungfrau-Aszendent trägt das Paragraphen-Reiterische bei, einen gewissen Hang zum Pedantischen, zum Leben nach strengen Prinzipien.

Wenn wir das Horoskop mit der Radix Duttweilers vergleichen, so finden wir die "missionarische" Mars-Jupiter Konjunktion am selben Ort wie die Merkur-Saturn-Konjunktion Duttweilers, die für die Reformen, speziell die Rationalisierungs-Ideen Duttweilers steht (vgl. auch das Sextil zu Uranus). Die Schweiz ist der richtige Ort, um solche Ideen auch nach aussen zu tragen, um für sie zu werben, aus ihnen eine Philosophie zu machen. Was er sagt, klingt in der Schweizer Seele nach. Die Sonnen sind auf 2° genau in Konjunktion: Hier spricht einer aus der Mitte des Schweizer Volks! Wegen der mittäglichen Geburt fällt auch das MC, der Punkt des individuellen Lebenserfolgs, auf diesen Ort.

Wie die Schweiz, hat auch Duttweiler eine Jupiter-Pluto-Opposition. Im Schweizer Horoskop ist diese mit dem kämpferischen Mars verbunden, während bei Duttweiler die eher weiblichen Planeten Mond und Neptun hinzutreten. Die Wiederholung des Aspekts - in beiden Horoskopen an markanten Orten - ist jedenfalls als kräftige Resonanz zu werten.

Auch im Horoskop der neuen Bundesverfassung - erstellt für den 12.9.1848 um 11 Uhr Ortszeit - steht die Merkur-Saturn-Konjunktion Duttweilers auf Jupiter - hier jedoch im neunten Haus. Dieser Jupiter mag auch für die Würde des politischen Amtes stehen: Duttweiler wirkte selbst von 1935 bis zu seinem Tode mit einer dreijährigen Unterbrechung während des Krieges als National- und als Ständerat in der Politik.

Wenn wir Duttweilers Radix mit der Grossen Konjunktion von 1802 vergleichen, so fällt auf, dass die entscheidende Achse in Duttweilers Horoskop, Mond-Jupiter gegenüber Neptun-Pluto, die Opposition Jupiter-Saturn gegenüber Mond-Pluto des Konjunktionshoroskops zu einem Schicksalskreuz ergänzt! Auch hier wiederholt sich, wie bereits beim Vergleich mit dem Schweizer Horoskop, die Opposition Jupiter-Pluto. Wenn wir den Mars noch dazunehmen, der in Duttweilers Horoskop am Aszendenten steht und eine Opposition zum Mars des Konjunktionshoroskops bildet, der dort im ersten Haus steht, so können wir sagen: Dieses Geburtshoroskop steht in starker Resonanz mit dem Horoskop seiner Zeit. Er hat mit vielen Widerständen zu rechnen (Mars Opposition Mars), aber er tritt hervor, da seine Ideen im Geiste der Zeit liegen.


Einkäufer bei Pfister & Sigg

Seine ersten Erfahrungen mit der Welt des Handels machte Duttweiler beim Handelshaus Pfister und Sigg, wo er ab 1905 eine kaufmännische Lehre absolvierte. Er war ein umtriebiger, stets zu Streichen aufgelegter Lehrling, der sich zunächst einen Namen damit machte, dass er das Jassen (ein in der Schweiz populäres Kartenspiel) im Betrieb einführte. Eine Wendung trat mit dem Tod seines Vaters am 10. Juni 1906 ein. Da ging es wie ein Ruck durch ihn, er besann sich auf seine Verantwortung, seine Leistungen wurden besser. In seinen Memoiren sagt er:

"Da fing ich an zu verstehen, was die Schule eigentlich wollte, und dass ich sie nötig hätte für mein Leben." (zitiert bei Jenni, S. 13).

Nach der Lehre, die er 1907 als Zweitbester von 150 Kandidaten bestand, schickte ihn das Handelshaus als Disponenten nach Le Havre, von wo aus er die Einkäufe aus Übersee koordinieren sollte. Dieses Amt versah der Neunzehnjährige zu grosser Zufriedenheit seiner Auftraggeber. Er baute geschäftliche Beziehungen auf, auch nach Übersee, und verstand es, der Firma einen beachtlichen Gewinn zu erarbeiten.

Nach sieben Jahren, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, steigerte er den Geschäftsgewinn von Pfister & Sigg innerhalb nur eines Jahres von 26.000 auf 368.000 Franken. Wie kamen diese Gewinne zustande? Aufgrund des Krieges wurden die Handelswege für die Schweiz schwieriger. Duttweiler, dem die Landesversorgung ein Anliegen war, deckte sich in Spanien und Italien mit sehr grossen Mengen von Lebensmitteln ein - Mengen, die seine Kompetenzen als Einkäufer bei weitem überschritten - und schaffte es, sie trotz strengerer Zollaufsicht in die Schweiz zu schaffen. Wegen des erschwerten freien Handels hatte er keine Probleme, die Waren in der Schweiz abzusetzen. Duttweiler verlangte nach diesen Erfolgen eine bessere Stellung. Er wollte zu 25% am Gewinn beteiligt werden. Während Heinrich Pfister die Forderungen Duttweilers unterstützte, lehnte Nathan Sigg sie ab. Duttweiler zog die Konsequenz und kündigte am 30. April.

Nun musste Sigg sich fügen: Pfister beteiligte Duttweiler mit 23% am Geschäftsgewinn und stellte ihn als Prokuristen wieder ein. Das traumhafte Gewinnwachstum der Firma setzte sich fort. Das Vorgehen Duttweilers blieb gleich: Er beschaffte Nahrungsmittel aus den Nachbarländern in rauhen Mengen - bis seine Einkaufspraktiken dem Partner Sigg zu riskant wurden: Er stieg aus. Pfister bot Duttweiler die Nachfolge Siggs an, die dieser sofort annahm. Er beteiligte sich mit 45% am Kapitel der Firma, die nun Pfister & Duttweiler hiess.

Doch nach dem Krieg veränderte sich die Lage. Die Lebensmittelpreise sanken, und ebenso die Gewinne der Handelshäuser. Aber die Dynamik Duttweilers blieb ungebrochen: Obwohl er Warenlager mit einem Gesamtgewicht von 2700 Tonnen im Ausland weit unter Einkaufspreis abstossen muss, ist er voller Ideen und schmiedet neue Pläne, die meistens eine direkte Kooperation mit den Produzenten zum Gegenstand haben. Er gründet Aktiengesellschaften zur Erdölförderung in Polen, er will mit der Speiseölfirma "Minerva" in Spanien kooperieren. Er plant ein Netz von Niederlassungen in der ganzen Welt, um mit den Produzenten in direkten Kontakt zu treten.

Rudolf Peter
Rudolf Peter
Erst ein neuer Buchhalter, Rudolf Peter, den das Handelshaus im Sommer 1920 einstellt, öffnet Duttweiler die Augen. Er klemmt sich hinter die Bücher und weist nach, dass die Buchhaltung bislang zu oberflächlich geführt wurde: Der vermeintliche Jahresgewinn von 32.000 Franken ist in Wirklichkeit ein Verlust von 200.000 Franken: "Verehrte Herren, die heutige Situation scheint mir jede wünschbare Weiterentwicklung entschieden zu verunmöglichen. Es fehlen einige Hundert Mille, um die Ausfälle zu decken und dem Hause die dringend notwendige Bewegungsfreiheit zu geben." (Rudolf Peter am 31.7.1920, zitiert bei Häsler, S.28)

Das bedeutet das Ende der Firma. Am 25.6.1921 unterschreibt Duttweiler einen Nachlassvertrag mit den Gläubigern. Um den Konkurs abzuwenden, bringt er sein Privatvermögen in die Liquidationsmasse ein und veräussert sin Landhaus in Rüschlikon mitsamt seiner Kunstsammlung. Am 12.7.1923 wird das Unternehmen Pfister & Duttweiler im Handelsregister gelöscht.

Es folgen zwei unstete Jahre, in denen Duttweiler verschiedene Versuche macht, seinem Leben eine neue Bahn zu geben. Er will in Spanien Fuss fassen, dann als Bauer in Brasilien. Beides misslingt. Auch eine Bewerbung als Disponent beim Verband schweizerischer Konsumgenossenschaften ist erfolglos. Er ist zwar enttäuscht, aber nicht gebrochen - er hat weiterhin viele Ideen, eine Existenz zu gründen. Bei einer Besprechung mit seinem Freund Rudolf Peter fallen die meisten dieser Ideen unten durch: Wenn der nüchterne Rechner Rudolf Peter die Mitarbeit ablehnte, war dies für Duttweiler ein klarer Hinweis, dass das Unternehmen vermutlich chancenlos ist. Erst bei der Migros sagte Rudolf Peter seine Mitarbeit zu.


Die Migros AG

Am 15. August 1925 wurde die Migros AG ins Handelsregister der Stadt Zürich eingetragen. Den genauen Zeitpunkt dieser Eintragung konnte ich (noch) nicht ermitteln. Dem war die eigentliche Gründung der Migros durch Duttweiler und vier seiner Freunde am 11. August vorausgegangen (auch hier fehlt mir ein genauer Zeitpunkt). Weitere zehn Tage später, am 25. August, fahren die ersten legendären Migros Verkaufswagen durchs Züricher Stadtgebiet.

Ursprünglich war Duttweiler, wie er später selbst schrieb, durch die Knappheit der finanziellen Mittel dazu gezwungen, seine Waren auf Wagen zu verkaufen. Denn zum Anmieten von Verkaufsfläche hatte das knappe Startkapital der Migros AG nicht ausgereicht. Auch das Sortiment war anfangs schmal. Die Verkaufswagen boten nur sechs Artikel an: Reis, Nudeln, Zucker, Kaffee, Seife und Kokosfett wurden den Kundinnen in für sie damals ungewöhnlich grossen Einheiten verkauft, dafür aber bis zu 40% billiger als bisher auf dem Markt üblich. Die Verkaufsfahrten wurden ein voller Erfolg, die Umsätze entwickelten sich mehr als rasant. So machte Duttweiler aus der anfänglichen Not eine Philosophie: Noch sehr lange beharrte er auf dem Verkaufswagenkonzept, obwohl sich nach Öffnung der ersten Läden schon bald zeigte (erster Laden schon im Dezember 1926 in Zürich), dass der Verkauf in festen Läden noch wesentlich rentabler als die Verkaufswagen war.

Erster Verkauf
Verkauf am Wagen
Das Horoskop des Eintrags ins Handelsregister, auf die Ortszeit von Duttweilers Geburt errichtet, ist das Tageshoroskop der Gründung. Eine für die Gründung eines Unternehmens ziemlich fragwürdige Konstellation ist die Sonne-Neptun-Konjunktion am MC. Es blieb tatsächlich auch lange im Unklaren, ob das Unternehmen überhaupt polizeilich zugelassen werden würde, oder ob es unter den "Hausiererparagraph" fiel. Der Saturn am Aszendenten verheisst denn auch anfängliche Verzögerungen des Unternehmens, einen kräftigen Gegenwind, der sich jedoch nicht dramatisch auswirken wird, denn letztlich ist derselbe Saturn aufgrund seiner guten Aspektverbindungen mit Mond, Pluto, Jupiter, Mars und Merkur der Garant von Stabilität.

Duttweilers Radix weist, wie bemerkt, eine Opposition Mond/Jupiter zu Neptun/Pluto auf. Im Migros-Horoskop finden wir Mond/Pluto in Opposition zu Jupiter - den Mars noch in einem weiten Sextil mit Mond verbunden. Damit leuchtet eine Variation von Duttweilers Lebensthema auf. Mond/Pluto als die durchaus faszinierende Gunst der Vielen, in Opposition zu Jupiter z.B. als Hüter des Gesetzes auftretend. Auch die Venus, die in der Radix im Quadrat zur Achse Mond-Jupiter / Neptun-Pluto getreten ist, steht bildet hier die Spitze eines trigonal-sextilischen Dreiecks mit Jupiter - Mond/Pluto. Das sind Wiederholungen, die diesen Tag zu einer seltenen Sternstunde in Duttweilers Leben machen. Dieser Tag ist das ideale Einfallstor, um das in der Individualität Veranlagte zu verwirklichen.


Das Filialverbot

Die Migros hatte von Beginn an mit Gegenmassnahmen zu rechnen. Die Detailhändler, eigentlich zersplittert und nicht zu gemeinsamen Aktionen in der Lage, schlossen sich nach dem Aufkommen der Migros zusammen und drohten, Lieferanten und Fabrikanten zu boykottieren, die die Migros belieferten. Da die Migros anfangs ein unbedeutendes Unternehmen war, hatten diese Drohungen durchaus Erfolg. Duttweiler war anfangs gezwungen, die Ware auf dunklen Kanälen oder aus dem Ausland zu beziehen, bevor er ab 1928 dazu überging, eigene Produktionsgesellschaften zu eröffnen und die benötigten Waren einfach selbst herzustellen. Der Lebensmittelverein Zürich (LVZ) konnte die Preise der Migros nicht unterbieten, obwohl er die von der Migros angebotenen Artikel um 20% reduzieren musste, um noch konkurrenzfähig zu bleiben.

Mit Schikanen aller Art machte man der Migros das Leben schwer. Regelmässig waren die Haltepunkte der Verkaufswagen mit Steinen und Geröll verstellt, die erst mühsam weggeräumt werden mussten. Die Flugblatt-Austräger der Migros risikierten, verprügelt zu werden. Die Migros-Kunden wurden fotografiert oder namentlich in den Lokalblättern vorgeführt. Manche Gemeinden veröffentlichten dringende Empfehlungen, nicht bei der Migros einzukaufen, "da dieses System den Untergang des Mittelstands in sich birgt". In St. Gallen wurde sogar im Rahmen eines fingierten Überfalls auf einen Filialleiter geschossen.

Am 23.2.1926 trat ein Gesetz in Kraft, das den Verkauf von Lebensmittel durch Hausierer in der gesamten Schweiz "aus hygienischen Gründen" verbot. Duttweiler gelang es zwar in Zürich mit juristischem Beistand, eine Lücke des Gesetzes auszunutzen, das zwar den "Verkauf von Haus zu Haus" verbot, das eigentliche Hausieren, nicht aber den "Verkauf im Umherziehen". Dennoch musste er befürchten, dass bei einer Vergrösserung der Migros Gesetze dieser Art verschärft würden. Sobald es die Mittel zuliessen, begann er daher mit der Eröffnung fester Ladenlokale - in Zürich gab es bereits im Jahre 1926 ein erstes Verkaufslokal. Schnell zeigte sich, dass die Verkaufslokale wesentlich mehr Umsatz erwirtschaften konnten als die Verkaufswagen.

Am 14.10.1933 erfolgte dann der Paukenschlag: Der Nationalrat verabschiedete einen dringlichen Bundesbeschluss über "das Verbot der Eröffnung und Erweiterung von Warenhäusern, Kaufhäusern, Einheitspreisgeschäften und Filialgeschäften". Dieses kurz als "Filialverbot" bezeichnetes Gesetz verbot Warenhäuser nicht grundsätzlich, sondern nur deren Expansion: Es durften keine neuen Läden eröffnet werden, nicht einmal das Sortiment in bestehenden Verkaufsstellen durfte erweitert werden. Das Gesetz war als dringlicher Beschluss nicht vom Volk abstimmbar. Es wurde in zweijährigem Turnus erneuert und blieb bis Ende 1945 bestehen. Eine weitere Expansion der Migros AG wurde durch das Gesetz unmöglich gemacht.


Genossenschaft von oben

Wir haben herausgefunden, dass es eine viel heiklere Aufgabe ist, Geld zu verschenken als Geld zu verdienen. Zeitung in der Zeitung, 6.9.1941

Der äussere Erfolg ist ein gefährlicher Verführer. Zeitung in der Zeitung, 31.12.1952

Was die Migros AG anging, waren dem Gründer nun die Hände gebunden. Seine nicht versiegenden Energien steckte er daher in andere Projekte. Er ging in die Politik, kandidierte für den Nationalrat, in den er gleich bei der nächsten Wahl mit sechs Gleichgesinnten 1935 einzog, und gründete 1936 den Landesring der Unabhängigen.

Darüberhinaus fällt in diese Zeit die Gründung des Hotelplan, ein System organisierter Schweizer Feriendomizile für den kleinen Geldbeutel und des Girodienstes, einer Art Einkaufsgenossenschaft zur Stützung der unabhängigen Detailhändler. Beide Einrichtungen waren und sind gesund und bestehen bis heute in der Schweiz fort (Händler, die im Girodienst organisiert sind, heissen heute "Detaillisten mit Migros-Produkten" (DMP)).

Seine grösste Leistung in dieser Zeit war jedoch die Umwandlung der Migros AG in einen Genossenschaftsbund. Die Breschen hierfür wurden 1940 geschlagen - ab 1941 wurden alle Migros Aktiengesellschaften liquidiert und als Genossenschaften neugegründet. Als Dachverband entstand der Migros Genossenschaftsbund, der jedoch die Autonomie der Genossenschaften nicht einschränken sollte. In der "Zeitung in der Zeitung" vom 1. Juni 1940 kündigte er dieses Vorhaben an:

Der Besitzer der Migros-Aktien hat den grundsätzlichen Beschluss gefasst, die Migros-Aktiengesellschaft in eine Genossenschaft umzuwandeln und die Genossenschaftsanteile den Konsumenten und zu einem kleineren Teil den Angestellten durch Stiftung zu schenken. Es soll ein Genossenschaftsrat geschaffen werden, der, zusammen mit dem Stiftungsstatut, Gewähr bietet für gerade Fortsetzung des politischen und wirtschaftlichen Programms. (zitiert bei Häsler, S.126)

Konkret bedeutete dies, dass Duttweiler sich von rund 16 Millionen Franken Privatbesitz trennte! Diese Zahl ist im sogenannten "Zajfert-Prozess" gerichtlich festgehalten. Gegner hatten Duttweiler vorgeworfen, dass er die Umwandlung bloss aus Eigennutz betriebe und letztlich von der Umwandlung profitierte. Gegen diese Darstellung hatte Duttweiler geklagt.


Das Öl

Ich möchte noch auf einen für Astrologen interessanten Zusammenhang hinweisen - Duttweilers besondere Affinität zum Öl, das astrologisch dem Neptun untersteht. Ich erwähnte bereits die Speiseölfirma Minerva, die in der Zeit bei Pfister & Sigg eine wichtige Rolle für Duttweiler spielte. Mit dem in eigener Produktion hergestellten "Meilener Süssfett" eröffnete Duttweiler 1928 den Kampf gegen die Markenartikelhersteller - es begann der "Kochfett-Krieg", den Duttweiler bereits gegen den "Öl-Trust" führte. Dieser Motiv des Kampfes gegen den "Öl-Trust" zeigt sich ein letztes und gewichtiges Mal im Zusammenhang mit der Migrol-Gründung und der Erdölraffinerie Frisia in Emden (Norddeutschland).

Die Migros verkaufte wie die schweizerischen Konsumgenossenschaften Heizöl - das sie aber selbst aus am Weltmarkt gekauftem Rohöl raffinieren liess, da sie die schweizerischen Heizölpreise für überholt hielt. Das bei der Raffinierie als Nebenprodukt anfallende Benzin wurde ab 1954 in den Tankstellen der neu gegründeten Migrol-Genossenschaft verkauft. Obwohl Migrol bis heute keine grossen Umsatzanteile im Benzinmarkt erwirtschaftet, zwangen die ausserordentlich niedrigen Preise des Migrol-Benzins auch die Öl-Multis zu einer starken Preisreduktion. 1954, als die Migrol gegründet wurde, bildeten Neptun und Pluto ein laufendes Sextil, womit sie die Verbindung in Duttweilers Radix reproduzierten. Der Pluto lief dabei über die Radixsonne Duttweilers.

Die Ölkonzerne setzten im Gegenzug die Raffinerien unter Druck und konnten sie zwingen, nicht mehr für die Migros zu arbeiten. Dies machte es für die Migros nötig, eine eigene Raffinerie zu bauen. Duttweiler gründete mit einem Kapital von 50 Millionen DM die Frisia AG in Emden - sie nahm im Herbst 1960 den Betrieb auf. Aus verschiedenen Gründen - dem extremen Verfall der Heizölpreise, der starken Besteuerung von Heizöl durch die deutsche Regierung sowie der für die Benzinproduktion ungünstigen Ausrichtung auf die Heizölproduktion - wurde sie zu einem grossen Misserfolg und wurde im August 1965, drei Jahre nach Duttweilers Tod, abgestossen. Im Gründungsjahr 1960 lief Pluto über alle Quadrat-Orte der Schicksals-Achse von Duttweilers Horoskop, beginnend mit dem Neptunquadrat in 2° Jungfrau, bis zum Quadrat zu seinem Ort auf 5°54' Jungfrau. Neptun, nach sechs Jahren immer noch annähernd im Sextil zu Pluto, bewegt sich auf den Aszendenten und das Quadrat zu Saturn zu.

Das Frisia-Projekt hatte in Duttweilers Sicht eine besondere Bedeutung. In einer tragischen Fehleinschätzung sah er den Sieg über die Ölkartelle als den Schluss- und Gipfelpunkt seiner persönlichen Bemühungen, als den grössten Erfolg seines Lebens (so noch 1960 zur Eröffnung der Raffinerie) - in Wirklichkeit war es sein grösster Misserfolg! Schlimmer konnte ihm Neptun nicht mehr den Blick verstellen! Es ist übrigens bemerkenswert, dass das Wort vom "Kampf gegen den Öltrust" ihn während der ganzen Migros-Zeit begleitet hat. Zu Anfang meinte er damit die Ölmühlen und Speiseölkonzerne - später, seit der Gründung der Migrol, waren es die Mineralölkonzerne. "Die Öltrusts", das ist natürlich die Neptun-Pluto-Konjunktion. Es kann ebensogut ein grosser Konzern mit undurchsichtiger Geschäftspraxis gemeint sein. Oder eine mafia-artige Struktur, die Macht (Pluto) aus dem Verborgenen (Neptun) schöpft. Gegen diese Komplexe setzt Duttweiler seine persönlichen Überzeugungen (Mond-Jupiter), das liebe Volk (Mond), oder die Schweizer Hausfrauen (Mond), die mit ihren Konsumentscheidungen "frischen Wind" ins Wirtschaftsleben bringen, Freiheit und Gerechtigkeit (Jupiter) repräsentieren und den dunklen Trusts dadurch schwer schaden können.


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Fußnoten

[1]Gottlieb Duttweiler: Unser Kampf, Landesring der Unabhängigen, Zürich 1940, S. 15.
[2]Manuel Jenni: Gottlieb Duttweiler und die schweizerische Wirtschaft - Die Entwicklung der Persönlichkeit und des Werks bis zum Eintritt in den Nationalrat (1935), Verlag Peter Lang, Bern 1978, S.68.
[3]Hans Munz: Das Phänomen Migros, Zürich 1973, S.30 (zitiert aus einer Ansprache an die Jugend).
[4]Jenni, a.a.O., S.8.
[5]Hans Munz, a.a.O., S.57 (zitiert aus der Zeitung in der Zeitung).
[6]Karl Lüönd, Gottlieb Duttweiler - Eine Idee mit Zukunft, Verein für wirtschaftshistorische Studien, Meilen 2000, S. 42.
[7]Verschwendung als Wirtschafts-Philosophie?, Schriftenreihe der Stiftung "Im Grüene", Rüschlikon/Zürich 1961.
[8]Sigmund Widmer, Gottlieb Duttweiler - Gründer der Migros, Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 1985.
[9]Hans Munz, S. 411., Brief vom 2.3.1959 an Hans Munz.
[10]Hans Munz, a.a.O., S. 351. Erste der "Fünf Thesen" von Gottlieb und Adele Duttweiler.
[11]Hans Munz, a.a.O., S. 52.
[12]Hans Munz, a.a.O., S. 351. Fünfte der "Fünf Thesen" von Gottlieb und Adele Duttweiler.
[13]Alfred A. Häsler, Das Abenteuer Migros, Zürich 1985, S.33.
[14]Sándor Belcsák, Die Schweiz und die Schweizer, Qualität der Zeit, Wien 1986.
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