Der folgende Artikel erschien in vier Teilen ab "Zenit" Mai 1934: Lassen wir einmal den hölzernen Stil des Autors beiseite, schlucken wir bei seinen damals beliebten Bezügen auf die "nordische Rasse" und ignorieren wir sein abwegiges Ziel, die Astrologie als Wissenschaft durch eine anekdotische Sammlung eingetroffener Prognosen zu etablieren, so bleibt doch noch eine Menge Interessantes übrig: Nicht alles, was er berichtet, ist ja falsch oder übertrieben (Bressensdorff selbst ist sich übrigens bewußt, daß der Leser " wohl manches lächelnd als fromme Anekdote beiseite schieben" wird). So ist dieses Manuskript eine Sammlung von Namen und Ereignissen, die dem Interessierten als Einstiegspunkt in eine bestimmte Epoche dienen können. [RP]

Erfüllte astrologische Zukunftsberechnungen.

von Otto von BRESSENSDORFF.

Die Sternlehre (Astrologia) beschäftigt sich nicht bloß mit den Gestirnen, sondern auch vorzüglich mit den Beziehungen der astralen Welt zur irdischen, besonders zum Menschen. Mit zunehmender Kenntnis der astralen Gesetze wurden dann immer ausgedehntere Entsprechungen oder Parallelen und Verknüpfungen zwischen Sternenlauf und Menschenschicksal nachgewiesen.

Zur Erklärung der beobachteten Tatsachen dienten und dienen die verschiedensten Theorien und Hypothesen, Strahlung, die Mikrokosmosidee, die biologische Ansicht von der Entsprechung gleichlaufender Entwicklung und unzählige andere. In ähnlicher Weise bedient sich auch jene Teildisziplin der Sternlehre, die man heute Astronomie nennt, ebenfalls mannigfacher Arbeitsypothesen zur Erklärung der gemachten Erfahrungen, etwa des chaldäischen Weltbildes, des ptolemäischen Weltbildes, des kopernikanischen Weltbildes usw. Die jeweils angewandte Arbeitshypothese ist nur ein Erklärungsversuch für erlebte Tatsachen, abhängig von den seelisch-geistigen Formen der einzelnen Kulturen und niemals an die letzte objektive Wahrheit heranreichend. Der Wechsel unter diesen Arbeitsmethoden, etwa vom ptolemäischen Weltsystem zum kopernikanischen, verändert darum höchstens die Forschungsmethode, niemals das Resultat.

Denn der Ausgangspunkt der Sternlehre ist einzig und allein die Erfahrung. Niemals war es Selbstzweck der Astrologie, die Zukunft zu erforschen; niemals auch nur der Hauptzweck. Diese Wissenschaft diente ausschließlich der Erforschung der Gestirne, ihrer Beziehungen untereinander und jener zur Erde bzw. zu den Menschen. Da gerade das Letztere von größtem praktischen Interesse sein mußte die ganze Kalenderordnung, die gesamte meteorologische Forschung und alle religiöse Symbolik fallen in ihren Bereich richtete sich schon frühzeitig das Hauptaugenmerk der menschlichen Forschung auf diesen Punkt. Man war bestrebt, den Gesetzen auf die Spur zu kommen, die in diesen Beziehungen von Himmel und Erde walteten.

Nicht das einzige, wohl aber das einleuchtendste und einwandfreieste Kriterium für die Richtigkeit eines aus Erfahrung abgeleiteten Gesetzes blieb nach einer allbekannten Äußerung Ostwald's für jede naturwissenschaftliche Disziplin bis heute die "auf Kenntnis der Einzelheiten wiederholbarer Ereignisse beruhende Voraussicht künftiger Vorgänge". In diesem Sinne ist die Möglichkeit der Vorausbestimmung des Eintreffens gewisser Ereignisse oder Umstände die Krönung für jede Naturwissenschaft. Mit Recht wird daher von den Astrologen auf die Fülle eingetroffener Prognosen verwiesen und in ihnen eine wesentliche Stütze jenes Erfahrungsbeweises, auf dem allein ihre Wissenschaft beruht, erkannt. Es verhält sich bei der Astrologie genau wie mit ihren naturwissenschaftlichen Schwesterdisziplinen, etwa der Physik oder Chemie: die gelungene Vorausberechnung oder Vorherbestimmung eines Geschehens schließt den Ring der Beweise für das aus den Erfahrungen abgeleitete Gesetz.

Irrig aber ist es, zu glauben, die Astrologie diene vornehmlich der Zukunftsberechnung. Niemals ist sie bloße Wissenschaft des Kommenden, wohl aber steht sie, wie Cicero in "de officie" I, 6 erkannt hat, in einer Linie mit der Geometrie und der Jurisprudenz, indem auch von ihr der Satz gilt: "Alle diese Studien gelten der Erforschung der Wahrheit". Darum nochmals: die erfüllte Prognose ist durchaus weder Zweck noch einziger Beweis für die Astrologie, nicht einmal das entscheidende Kriterium für ihren Erfahrungsschatz, wie denn auch in der Medizin die Diagnose überwiegt. Sie ist jedoch der suggestivste Beweis, jener, der die Masse gewinnt und zu überzeugen pflegt.

Es erhebt sich also die Frage, ob die Geschichte der Astrologie solche erfüllte Zukunftsprognosen aufweisen kann, ob sie also historisch diesen von der Menge geforderten letzten Beweis zu erbringen vermag.

Die Frage ist unbedingt zu bejahen. Zwar, von den Urträgern der Sternlehre, den prähistorischen Völkern der nordischen Rasse, sind uns keine Zukunftsprognosen erhalten, es sei denn das großartige Gemälde des künftigen Weltbrandes in der Edda, ein Ereignis, das jedoch noch in ferner Zukunft liegt und dessen Verkündigung zwar ein erstaunliches astronomisches Wissen verrät, aber noch keinerlei Kenntnis spezifisch astrologischer Gesetze.

Mehr schon dürfen wir von der alten Kultur des Zwischenstromlandes erwarten. Obgleich das, was bisher an astrologischen Texten ausgegraben wurde, sich als höchst phantasievoll, scheinbar angeordnet und durchaus nicht überzeugend darstellt, läßt dennoch die allgemeine Hochschätzung, deren sich die chaldäischen Priesterastrologen wegen ihrer Wissenschaft im ganzen "Altertum" erfreuten fromme Gemüter seien daran erinnert, daß auch ein Daniel es nicht verschmähte, an die Spitze der damaligen astrologischen Universitäten zu treten (Dan. 2, 48) , den Schluß zu, daß dieses, in geheimen Mysterienzirkeln begrabene Wissen denn doch etwas anders war, als uns die Funde vermuten lassen. Erst Diodor, welcher all dem als Fremder gegenüberstand, berichtet in fassungslosem Staunen: Manchen Königen, behaupten die Chaldäer, haben sie ihr Los vorhergesagt, namentlich dem Alexander, ehe er den Darius überwunden, und seinen Nachfolgern Antigonos und Seleukos Nikator. Und ihre Weissagungen sollen durchgängig eingetroffen sein. Wir werden davon das Nähere beachten, wenn uns die Zeitordnung darauf führt. Auch Leuten aus dem Volke sagen sie ihre Schicksale voraus, und wer sich von dem wunderbaren Zutreffen durch Erfahrung überzeugt hat, der hält es für etwas Übermenschliches. Diodor, der aus einem Kulturkreis kam, dessen astronomische und darum auch astrologische Kenntnisse wesentlich hinter denen der Chaldäer zurückstanden Pythagoras und alle großen Philosophen und Naturwissenschaftler Griechenlands weilten als Schüler an den Ufern des Euphrat und Nil , fand erstaunlich, was den Chaldäern selber so natürlich und logisch erschien wie etwa modernen Naturwissenschaftlern die Vorausberechnung bestimmter Gestirnkonstellationen oder die Vorherbestimmung der Elemente nach der Tabelle Mendelejews. Von dem chaldäischen Astrologen Berossos, der im Jahre 280 v. Chr. auf der griechischen Insel Kos eine weltberühmte astrologische Akademie eröffnete, teilt uns Plinius in seiner "Historia naturalis" VII 123 mit, daß ihm die Athener wegen seiner exakten Voraussagungen der Zukunft auf Staatskosten ein Denkmal in ihrer Stadt errichteten.

Ähnlich wie die Chaldäer verhielten sich die Ägypter. Auch sie lehnten es ursprünglich von der Höhe geistiger Erkenntnis aus ab, für ihre Weisheit sogenannte "Beweise" zu erbringen und diese dadurch im Irdischen statt im Göttlichen zu verankern. Erst die Notwendigkeit. nach dem großen Hyksoseinbruch, das während der Fremdherrschaft in Verfall geratene Wissen wieder neu aufzubauen, ließ das Bedürfnis nach allgemein überzeugenden Gründen und Beweisen für die Richtigkeit dieser Weisheit und die praktischen Vorteile, die sich aus ihr ergeben möchten, erstehen. Es galt, dem Volk die überragende Bedeutung der ererbten Kultur und ihrer priesterlichen Wissenschaft neuerdings zum Bewußtsein zu bringen. Dazu durfte man nicht länger die handgreiflichen Erfolge derselben als Selbstverständlichkeiten hinnehmen sie waren es ja auch nicht mehr! und sie mit Stillschweigen übergehen. So kommt es denn, das schon in einem Liede auf die Siege des Meren-ptah (um 1230 v. Chr.) bereits von Sterndeutern die Rede ist, die dem Könige zu seinen Siegen verholfen haben. Von da an sind ähnliche Zeugnisse nicht mehr selten. Besondere Erwähnung verdient unter ihnen die Inschrift, die sich auf der Stele des Astronomen Horkheb findet und nach vorsichtiger Schätzung in die 30. Dynastie (5. Jahrhundert v. Chr.) gehört. Ihren Inhalt schildert Gundel in einem Aufsatz "Der Ursprung der Astrologie" im Juniheft 1927 der Süddeutschen Monatshefte wie folgt:

"In ihr rühmt sich dieser Astronom, daß er wohlbewandert ist in seiner Wissenschaft, er nennt sich einen scharfen Beobachter der irdischen und himmlischen Erscheinungen. Vor allem unterstreicht er seine genaue Beobachtung aller Sterne, von denen er, wie er hervorhebt, auch nicht die Hälfte vernachlässigt. Er kann ein Horoskop entwerfen, das in der Stellung der Gestirne begründet ist und das bei den Göttern liegt, welche das Schicksal regieren. Denn er ist wohl unterrichtet über sie und ihre Tage, ferner über den offenkundigen Einfluß, den Venus auf die Erde ausübt. Er macht die Länder glücklich durch seine Voraussagungen. Außerdem ist er wohlbewandert in der Kulmination jedes Sternes, er verkündet die Erscheinung des Sirius am Jahresanfang und den Tag seines Festes, er weiß alles, was Sirius jeden Tag macht, was er bestimmt. Ebenso ist er wohl vertraut mit den Elementen des Sonnenauf- und -unterganges, der Sonnenbahn und -bewegung, er kann als "Horoskopes" die Stunde durch die Sonne bestimmen und weiß die stündlichen Wandlungen der Sonne in der Nacht. Auch in den Bewegungen und Handlungen des Sternes Horus weiß er Bescheid und verknüpft das, was er am Himmel beobachtet, mit der Erde. Denn er kennt den Atem der Sterne und ihr Wirken. Daß die Prophezeiungen der Astrologen auch in Ägypten nicht ohne Kritik angenommen wurden, zeigt seine selbstbewußte Versicherung: Kein Widersacher erhebt sich gegen seine Entscheidung, nachdem er sein Urteil auf Grund von all dem, was er beobachtet hat, gefällt hat, kein Lehrer kann dem Herrn der zwei Welten einen Ratschlag umstoßen."

Wer die hohe Wahrheitsliebe der alten Ägypter kennt, wird annehmen müssen, daß Hor-kheb wirklich ein außergewöhnlich erfolgreicher Astrologe gewesen sein muß, um von sich derartige Dinge behaupten zu dürfen. Jenen aber, die seine Erfolge vielleicht auf Zufall oder sonstige nicht astrologische Weissagung zurückführen möchten, gibt schon Gundel zu bedenken: "Daß dieser Sterndeuter seine Weissagungen nicht rein willkürlich und impulsiv gestellt haben wird, ergibt sich aus der strengen Gebundenheit des ägyptischen Priesters an alte Normen und Texte von selbst. Wir dürfen annehmen, daß er bereits feste Richtlinien und auch Wahrsagetexte aus beträchtlich älterer Zeit zur Hand gehabt haben muß, genau wie in späterer Zeit der priesterliche Astronom jederzeit seine heiligen Schriften wissen und auch bei sich tragen muß, in denen die Bahnelemente der Sonne, der Planeten und die Auf- und Untergänge der Fixsterne beschrieben waren."

Von Ägypten und Chaldäa aus verbreitete sich die Sternlehre über ganz Kleinasien. Alle dort lebenden Völker wurden von ihr erfaßt.

Auch in meinem Buch "Christliche Sternlehre", welches sich augenblicklich in Vorbereitung befindet, habe ich die wichtigsten Hinweise auf die Sternlehre in den Schriften des Alten Testamentes genannt. Es werden dort auch die verschiedenen astrologischen Prognosen besprochen, von denen die Heilige Schrift die Hauptquelle für die Geschichte des Volkes Israel berichtet als von Zukunftsberechnungen, die sich erfüllt hätten: so die große Dürre, welche Elias verkündigte, oder die Korrektur, welche Isaias am Horoskop des Königs Hiskias vornahm und die sich bewahrheitete, so daß der König tatsächlich 15 Jahre länger lebte als die erste Berechnung der Sonnendirektionen erwarten lassen hatte. In eben dieser Schrift habe ich dargetan, daß sämtliche Propheten des Alten Testamentes in der Sternlehre wohl bewandert waren, daß zwar nicht alle, aber viele ihrer Weissagungen auf das Konto der Astrologie zu buchen sind und daß ihre ganzen Schriften und alle ihre Hoffnungen erst aus dem Geiste der Sternlehre in ihrer rechten und vollen Bedeutung erfaßt werden können. Einzelheiten gehören nicht in diese Studie, jedoch einer Schriftüberlieferung von erfüllten astrologischen Prophezeiungen muß noch gedacht werden. So nennt die Bibel die Ahnung des Patriarchen aus dem Zwillingszeitalter, wonach das sogenannte Fischezeitalter die Erfüllung der neuen Geistesoffenbarung bringen werde und berichtet von den Berechnungen Bileams, die trotz mehrfacher Revision diese Meinung bestätigen müssen und sogar die Zeit und die Geburtskonstellation Jesu vorausbestimmen. Die Heilige Schrift umgibt die Erfüllung dieser astrologischen Prognose mit dem Schimmer göttlicher Autorität und erhebt sie damit für alle, die in der Bibel eine unmittelbare Offenbarung des Wortes Gottes sehen, zu einer unbezweifelbaren Tatsache. Was Matthäus von den Magiern erzählt, die im fernen Osten die Christgeburt vorherbestimmten und nach Palästina kamen, sich von der Genauigkeit ihrer Berechnungen zu überzeugen, ist nichts anderes, als eine großartige Apologetik der Astrologie. Zwar wäre eine solche gar nicht nötig gewesen, aber nun war allen Zweifeln endgültig Einhalt geboten: Die Sternlehre vermochte nach dem Zeugnis des von Gott inspirierten Evangelisten die neue Religion und deren Stifter vorherzuberechnen! Sie erhob nicht nur den Anspruch, sondern sie erbrachte in den Magiern zugleich den Wahrheitsbeweis dafür. Die Geschichtlichkeit dieser Episode zu leugnen, hieße aber an den historischen Grundlagen der ganzen Evangelien und damit des ursprünglichen katholischen Christentums rütteln! In meiner Schrift "Jesus im Lichte der Astrologie" habe ich aufgedeckt, wie das Zusammentreffen der verschiedensten astrologischen Faktoren, zuletzt die Konjunktion von Saturn und Jupiter in den Fischen, die im Jahre 6 v. Chr. stattfand, zu einer für die Gottesoffenbarung Israels ungewöhnlichen Bedeutung erhob und wie sie von allen zeitgenössischen Astrologen auf die Geburt eines "Führers in Israel" gedeutet werden mußte. Für christgläubige Personen sollte darum die Frage nach erfüllten astrologischen Zukunftsberechnungen nicht länger existieren. Schon Matthäus hat sie in bejahendem Sinne gelöst.

Was Wunder, wenn sich die Astrologie darum in Kleinasien bis auf den heutigen Tag erhielt! Sie wurde dort sogar von arabischen Wissenschaftlern zur höchsten Blüte ausgebildet. In einer Zeit, da Europa unter den Folgen des römischen Rassenverfalles und einer dementsprechenden kurzsichtigen Kirchenpolitik schwer zu leiden hatte, da sich Nacht herniedersenkte, wo einst griechischer und römischer Geist ewige Werte schufen, sammelten kunstsinnige Fürsten im Süden Europas die geistige Elite ihres Volkes um sich und entrissen die Schriften eines EUKLID, ARISTOTELES, PTOLEMAEUS u. a. der Vergessenheit. Manche von ihnen sind erst auf dem Umwege über arabische Übersetzungen im Abendlande wieder bekannt geworden.

Die Araber nun haben das große Verdienst erworben, die Lehre von den Planetenkonjunktionen auszubauen und an das Abendland weiter zu überliefern. Schon ABU MASCHAR, ein Astrologe des IX. Jahrhunderts, arbeitet mit der rund 20jährigen Konjunktionsperiode von Jupiter und Saturn, die sich besonders auf Thronwechsel und ähnliche Kämpfe um die Herrschaft in Staat und Kirche bezöge. Weiterhin kannte er eine Periode von rund 240 Jahren, die besonders von der Übertragung eines Königreiches von einer Regierung zur andern, von Herrscherfamilien (Vgl. die Macht der Staufer von Friedrich bis Konradin!) und einer großen Klimaperiode handelt, welche letztere Strakosch-Grassmann im Sept./Okt.-Heft von "Das Wetter" geschichtlich nachprüft und bestätigt. Schließlich wußte man noch um die Konjunktionen des großen Zyklus, der vor allem für Religionen und Kulturen bedeutsam ist und welcher, verschieden berechnet, einmal zu 794, dann wieder zu 960 Jahren angenommen wird. Die Tatsache einen solchen periodischen Ablaufes der Geschichte steht außer Zweifel. Ihn in ein Gesetz gebannt und was zum Beispiel Spengler in seiner Geschichtsmorphologie wohl andeutete, aber nicht durchzuführen wußte kosmisch begründet zu haben, ist ein bleibendes Verdienst der arabischen Astrologen.

Diese wußten auch über die Präzession Bescheid. ABU MASCHAR berechnete das Ende der (katholisch-) christlichen Epoche (des Fischzeitalters) für 1490, wofür er noch 1498 von dem Sieneser Arzt Bellantius verlacht wird. Und abgesehen davon, daß seine Berechnung auch astronomisch-astrologisch viel mehr berechtigt ist als die heute übliche Ekliptikeinteilung, was ich in meiner Schrift "Das Welthoroskop" näher dargelegt habe, datieren wir doch alle von eben jenem Zeitpunkt an die sogenannte "Neuzeit": 1492 Entdeckung Amerikas und Befreiung Westeuropas von den Mauren durch die Eroberung Granadas, 1498 die Auffindung des Seeweges nach Ostindien durch die Portugiesen und in fast gleichen Abständen von dieser Zeit 1430 die Erfindung der Buchdruckerkunst und der Fall Konstantinopels, beides Zeichen der Zerstörung eines bisher bestimmenden Lebensstiles und in den 20er Jahren des XVI. Jahrhunderts die großen politischen und religiösen Reformationsbewegungen, aus denen eben das Wassermannzeitalter erwuchs und ein neues Christentum, von dem erst die Zukunft zeigen wird, wie sehr es sich von dem des Fischezeitalters unterscheidet. Der Schwerpunkt verschiebt sich von der passiven zu einer aktiven Lebensbetrachtung. Die Kontinuität ewiger Wahrheiten wird natürlich von der veränderten Stellungnahme zu ihnen nicht berührt und das ist es, was manche Astrologen und noch mehr ihre Gegner verführte, in jener Berechnung Abu Maschars eine Fehlprognose zu sehen.

Die arabischen Astrologen hätten wohl niemals solchen Einfluß weit über ihren eigenen Kulturkreis hinaus erringen können, wenn sie nicht wirklich Großes geleistet hätten. Der in Cordoba geborene Astrologe ABU RAGEL und der Araber ABU RHYAN werden in allen zeitgenössischen und späteren Quellen ob der erstaunlichen Treffsicherheit ihrer Prognosen gepriesen. Vom Sultan Selim I. wird durch seine Biographen erzählt, ein arabischer Astrologe habe ihm die Prognose gestellt, daß er Ägypten, gegen welches er eben aufbrach, in dem Feldzuge unterwerfen und dort noch neun Jahre regieren werde. Bekannt gemacht mit der Nativität des Prinzen Suleiman, berechnete der nämliche Astrologe, daß Suleiman der Nachfolger Selims sein und sich einer Herrschaft durch fünfzig, an kriegerischen Ereignissen reiche Jahre erfreuen werde. Beide Zukunftsberechnungen bewahrheiteten sich.

Goulart berichtet ferner, der Bey von Tunis, Muleasses, habe während seines Aufenthaltes in Neapel, wo er enorme Gelder verbrauchte und ein äußerst merkwürdiges Leben führte, sich viel mit Astrologie befaßt. Dadurch habe er erfahren, daß ihn in Bälde großes Unheil bedrohe und er seines Thrones beraubt werde. Er teilte dies seinem Gastgeber mit und eilte nach Tunis zurück, wo ihn kurz darauf sein eigener Sohn, Ancida, vom Thron stieß und ihn blenden ließ.

Wie im islamitischen Kulturbereich stand und steht die Astrologie im ganzen weiten Asien in größtem Ansehen, einem Ansehen, das nur daraus erklärt werden kann, daß die praktische Sternlehre wirklich jenen greifbaren Nutzen bringt, den man von ihr erwartet. Demgemäß ist Asien voll von Berichten über bewahrheitete astrologische Prognosen. Ihre Zahl ist Legion und sie erstrecken sich über einen Zeitraum von mehr als zweitausend Jahren angefangen von der "Blumengestirnkonstellation", die dem indischen Astrologen ASITA die künftige Bedeutung des Prinzen Siddharta, des nochmaligen Buddha, verriet, bis zum Hofastrologen des letzten Kaisers von China, WANG JI JUAN, der nach der Vertreibung seines kaiserlichen Herrn als Ratgeber des Generals Changtschung, des republikanischen Gouverneurs von Changtung, diesem durch seine Berechnungen den Sieg vom 6. Dezember 1927 ankündigte und vielleicht erst ermöglichte.

Weniger anekdotenhaft als die asiatischen Berichte sind die einschlägigen Nachrichten, die uns aus Griechenland und Rom überliefert sind. Dorthin war die Astrologie von Chaldäa und Ägypten übertragen worden. Sie fand aber keineswegs offene Arme, wie dies ihre Gegner zu behaupten pflegen, sondern konnte sich erst nach langem Kampf einbürgern. Daß ihr dies überhaupt gelang, ist nicht zum wenigsten den vielen erfüllten Zukunftsberechnungen zuzuschreiben, die alle Widersprüche der Gegner zum Verstummen brachten. Es will schon etwas heißen, wenn das Volk, das zuerst in Europa logisches Denken und empirische Forschung anwandte, einem Astrologen wegen seiner Prognosen von Staats wegen ein Denkmal setzt! Durch diesen Akt erlangen auch die übrigen Berichte von eingetroffenen Prophezeiungen größeres Gewicht, weil die ganze Frage gleichsam an das helle Licht der Öffentlichkeit gezerrt und dem Dunkel und Halbdunkel subjektiver Meinungen entzogen erscheint.

So erzählt Aristoteles in seiner "Politik", wie der bekannte Philosoph THALES seine astrologischen Kenntnisse dazu verwendete, sich von materiellen Sorgen zu befreien.

"Nämlich als man ihm (Thales) wegen seiner Armut vorwarf, daß die Philosophie nutzlos sei", sagt Aristoteles, "soll er mittels der Astronomie eine ergiebige Olivenernte voraussehend, noch vor Ablauf des Winters, da er gerade einiges Geld hatte, auf alle Ölpressen in Milet und Chios Handgeld gegeben haben, indem er sie um ein Geringes pachtete, weil keiner überbot. Als aber die rechte Zeit gekom men, und viele zugleich und plötzlich gesucht wurden, da habe er sie nach Gutdünken vermietet und so, nachdem er viel Geld damit zusammengebracht, den Beweis geführt, daß Reichwerden für die Philosophen leicht ist, wenn sie wollen, nur sei es nicht das, wonach sie strebten."

Zeigt Thales astrometeorologische bzw. mundanastrologische Kenntnisse, so müssen wir bei THEOGENES, dessen Beherrschung der Individualhoroskopie bewundern. Von diesem erzählt nämlich Sueton in seiner Biographie des Augustus: "Während seines einsamen Aufenthaltes in Appollonia war er (Augustus) einmal in Begleitung der Agrippa auf die Sternwarte des Astrologen Theogenes gestiegen. Als nun hier dem Agrippa, der den Astrologen befragte, große und fast unglaubliche Dinge geweissagt wurden, verschwieg er selbst hartnäckig seine Geburtstunde und wollte sich nicht dazu verstehen, die Konstellation derselben anzugeben, aus Furcht und Scham, daß dieselbe minder bedeutungsvoll gefunden werden möchte. Kaum aber hatte er auf vieler Zureden endlich mit Not und zögernd beides angegeben, als Theogenes aufsprang und ihm verehrend zu Füßen fiel. Seitdem hatte Augustus so großes Vertrauen zu seinem Stern, daß er das Zeichen, in welchem er geboren war, öffentlich bekannt machte und eine silberne Münze mit dem Bilde des Steinbockes, unter welchem er geboren war, schlagen ließ."

Der Historiker Dio Cassius berichtet in seiner "Römischen Geschichte", daß auch der in der Astrologie wohl bewanderte Senator Nigidius Figulus, ein angesehener Philosoph neupythagoräischer Richtung, öffentlich im Senate dem Neffen des Julius Cäsar die Alleinherrschaft vorhersagte, als sein Vater Oktavius wegen Entbindung seiner Gemahlin sein Zuspätkommen entschuldigte und dabei die Geburtszeit des künftigen Augustus bekannt gab.

Die beiden Astrologen THRASYLLUS (Vater und Sohn) waren die Ratgeber des Tiberius und Nero. Thrasyllus selber war in alle Pläne und Gedanken des Kaisers eingeweiht, weil ihn dieser bei jeder Gelegenheit zu Rate gezogen hatte. Tacitus und Plutarch erwähnen nun eine Anekdote, die nur verständlich ist, wenn der ältere Thrasyllus tatsächlich durch sein hervorragendes Können des Kaisers Vertrauen zu erringen vermocht hatte. Er wurde deshalb dem Tiberius allmählich lästig und unheimlich. Dieser wollte sich seiner entledigen. Also nahm der Kaiser seinen Berater anläßlich eines Spazierganges. auf eine hohe Mauer mit, in der Absicht, ihn hinabzustürzen. Unterwegs schlug er ein Gespräch über astrologische Themen an. Im Verlauf desselben stellte er die Frage, ob Thrasyllus auch alles von sich selbst wisse. Ja, sagte dieser, ich weiß, daß ich heute irgendwie in Lebensgefahr schwebe, aber was mich am meisten bedrückt, ist, daß euer Majestät Leben so stark mit meinem verknüpft ist, so daß ihr mich jetzt nur um 24 Stunden überleben würdet. Der Kaiser, dem Thrasyllus schon zu viele Beweise seines Wissens geliefert hatte, erschrak und schenkte ihm Glauben. Er brachte sein Vorhaben nicht zur Ausführung.

Von dem gleichen THRASYLLUS berichtet Dio Cassius in seiner "Römischen Geschichte" 55, 11 noch folgendes: "So genau wußte Thrasyllus um alles, daß er bezüglich des Schiffes, das dem Tiberius von seiner Mutter und Augustus die Botschaft zur Rückkehr brachte, noch in weiter Ferne dessen Bestimmung voraussagte. Tiberius war nicht nur selbst erfahren in der Astrologie, sondern hatte auch den Astrologen Thrasyllus, einen in allen Geheimnissen dieser Kunst eingeweihten Mann, bei sich, so daß er nicht nur seine, sondern auch die Schicksale anderer aufs Genaueste voraus wußte."

Gelernt hatte TIBERIUS während seines Aufenthaltes im Exil zu Rhodos. Daß er es in dieser Wissenschaft zu einer nicht alltäglichen Fertigkeit gebracht hatte, bestätigt Tacitus in seinen Annalen VI, 20: "Nicht übergehen möchte ich eine Zukunftsberechnung des Tiberius über Galba, der damals erst Consul war. Diesen ließ der Kaiser zu sich rufen und redete ihn, nachdem er ihn nach allen Seiten ausgeforscht hatte, auf griechisch also an: "Auch du, Galba, wirst einst die Herrschaft kosten", auf dessen spätere kurze Regierung hinweisend."

Tiberius selber war nur durch Erfahrung zur Astrologie geführt worden: damals schon der einzige für wissenschaftliche und kritische Menschen mögliche Weg. Sueton weiß in seiner Biographie des Kaisers zu berichten: "Als er (Tiberius) noch ein Kind war, hatte der Astrologe SCIBONIUS ihm schon eine herrliche Zukunft verheißen. Sogar ein König würde er einst sein, doch ohne Diadem." Man muß sich den Jahrhunderte genährten Haß der Römer gegen jede monarchische Regierungsform vergegenwärtigen, um das volle Gewicht einer solchen Prognose für die damalige Zeit zu ermessen. Daß sich auch der Kaiser in seinem Astrologen nicht getäuscht hatte, so wenig wie dieser über die Verknüpfung ihrer beider Leben, bezeugt Dio Cassius (58, 27), wonach den THRASYLLUS an dem Tage und zu der Stunde, wie er sie lange vorher ermittelt hatte, der Tod ereilte, kurz bevor Tiberius selber in Misenum starb. Der Sohn desselben Thrasyllus sagte nach Tacitus dem Nero die Erlangung der Kaiserwürde voraus.

Ueber Nero findet sich ferner bei Sueton "Vita Neronis" 40, die vielsagende Bemerkung: Praedictum a mathematicis Neroni olim erat, fore ut quandoque destitueretur. Das heißt: "Daß er einst abgesetzt würde, hatten die Astrologen ihm vorher gesagt." Nach Tacitus (Annal. XIV, 9) hatten die Astrologen auch der Mutter Neros dessen künftige Herrschaft und ihren eigenen Tod von der Hand des Sohnes prognostiziert, worauf sie zur Antwort gegeben habe: occidat, dum imperat! "Er möge töten, wenn er nur herrschen wird!"

Neros Nachfolger Vespasian fand sich von dem Astrologen BARBILLUS so gut beraten, daß er Dio Cassius (66, 9) um seinetwillen den Ephesern eine außergewöhnliche Auszeichnung, wie sonst keiner Stadt, zuteil werden ließ. Ferner melden Sueton und Eutropius (Breviarium historiae Romanae VII, 20), es stehe fest, daß Vespasian durch Kenntnis seines Horoskopes ebenso wie durch genaue Erforschung der Nativitäten seiner Söhne Titus und Domitian so genau über die Zukunftsentwicklung unterrichtet war, daß er die vielen gegen ihn angerichteten Verschwörungen mit ungeheurer Gleichgültigkeit verachtete und öffentlich im Senat sagte, entweder würden ihm seine Söhne beide als Cäsaren auf dem Throne folgen oder überhaupt niemand. Die Geschichte hat diese kaiserliche Prognose bestätigt.

Auch von Kaiser Titus überliefert Sueton, cap. 9 einen Beweis für die Sternlehre. Es heißt dort: "Zwei Patriziern, welchen das Streben nach dem Throne nachgewiesen wurde, tat Titus nichts weiter, als daß er sie aufforderte, von ihrem Vorhaben abzustehen, da, wie er sagte, die Herrschaft vom Schicksale verliehen werde. Er schickte auch sogleich an die in Angst schwebende Mutter des Einen einen Eilboten mit der Nachricht von seiner Amnestie. Ferner lud er beide nicht nur zu seiner vertraulichen Tafel, sondern ließ sie auch am folgenden Tage beim Fechterspiele neben sich sitzen, wo er ihnen dann Fechterdegen, die er sich hatte geben lassen, furchtlos in die Hände legte. Er versicherte auch, da er die Nativitäten der beiden kannte, daß ihnen beiden Gefahr drohe, aber erst in Zukunft und nicht von ihm. Und so kam es auch."

Über den Bruder und Nachfolger des Titus, Kaiser Domitian, weiß Sueton zu berichten: "Das letzte Jahr und den letzten Tag seines Lebens kannte Domitian schon längst als gefährlich und wußte auch die Stunde und die Art seines Todes. All dies hatten ihm die Astrologen in früher Jugend vorausberechnet. Sein Vater Vespasian lachte ihn einmal bei Tische laut aus, als er keine Schwämme essen wollte, und sagte, er kenne sein Schicksal nicht, sonst würde er vielmehr das Eisen fürchten."

Das Wort Vespasians wurde im Tod Domitians erfüllt. Doch auch von späteren Kaisern existieren ähnliche Überlieferungen. Sueton berichtet z. B. eine Bestätigung der Sternlehre vom Kaiser Markus Salvius Otho. Er schreibt:

"Als endlich die Stunde der Rache kam, war er der erste, der sich dem Unternehmen des Galba anschloß. Zu gleicher Zeit nährte er auch selbst die Hoffnung auf den Kaiserthron, wozu ihn allerdings die Lage der Umstände, noch weit mehr aber die Verheißung des Astrologen Seleukos ermutigte. Dieser hatte ihm vor Zeiten die Versicherung gegeben, daß er den Nero überleben werde; jetzt kam er unaufgefordert plötzlich zu ihm und versprach ihm wiederum, daß er binnen kurzer Frist auch den Kaiserthron besteigen werde."

Die Zeugnisse. die ein Gelehrter vom Range eines Sueton, über den sich sogar der gestrenge Ranke nur höchst anerkennend aussprechen kann (Weltgeschichte 111 Abt. 1 S. 344/45), in den angeführten Stellen für die Richtigkeit astrologischer Prognosen ablegt, werden noch verstärkt durch die Rolle, welche die Sternlehre im Leben Septimius Severus spielte. Das Schicksal führte diesen wahrhaft bedeutenden Mann in raschem Aufstieg von Stufe zu Stufe, bis er mit 47 Jahren die Kaiserwürde erringt. Es wird nun berichtet, er habe 187 n. Chr., als er sich in der Eigenschaft eines Statthalters von Gallien nach Lyon begab, sich wegen einer abermaligen Vermählung an einen Astrologen gewandt. Dieser habe ihm sein Horoskop dahin gedeutet, daß er gemäß seinen Gestirnen eine Frau finden könnte, die zur Herrschaft bestimmt sei, so daß er sich mit deren Hilfe zur Kaiserwürde aufschwingen könnte. Auf Grund dieses Bescheides stellte Severus im weiten Römerreiche Nachforschungen an und fand auch richtig Julia Domna, eine Syrierin aus Emesa, Tochter der, Hohenpriesters des dortigen Sonneintempels, deren Horoskop allgemein dahin ausgelegt wurde, daß sie durch ihre Klugheit noch Basileia (Königin, Herrscherin) werden würde. Die Ehe zwischen Severus und Julia Domna wird also geschlossen. Bald darauf geht der Staatsmann nach Pannonien, von dort weist ihn das Schicksal nach Rom, wo die Kaiserkrone seiner harrt. Sowohl bei ihm wie bei Julia Domna sind die Prognosen der Astrologen glänzend in Erfüllung gegangen.

Hübsch ist eine Anekdote in der Vita des Septimus Severus c. 2 von Spartianus, wonach der spätere Kaiser in einer afrikanischen Stadt voll unruhiger Neugierde einen Astrologen befragte, welcher dann, als er aus der angegebenen Geburtsstunde außerordentliche Dinge fand, zu ihm sagte: "Deine Geburtsstunde will ich, nicht die eines anderen." Als nun Severus beteuerte, er habe wirklich seine eigene angegeben, sagte ihm der Astrologe alles so, wie es sich später ereignete, voraus. Ähnliches weiß Capitolinus in seiner Kaisergeschichte c. 20 von dem Kaiser Gordianus 1. ( 237 n. Chr.) zu berichten. Nämlich:

"Als einst der ältere Gordian einen Astrologen wegen des Horoskopes seines Sohnes befragte, antwortete dieser, sein Sohn werde der Sohn eines Kaisers und selbst Kaiser werden. Gordianus lachte darüber, darauf zeigte der Astrologe die Gestirnkonstellation von Gordians Sohn auf und schlug die Stellen aus alten astrologischen Schriften nach, mit welchen er die Wahrheit seiner Aussagen zu beweisen vermochte. Überdies sagte er auch dem alten wie dem jungen Gordianus in den bestimmtesten Ausdrücken der Gewißheit den Tag und die Art ihres Todes, sowie den Ort, wo sie ihn finden würden. Dieses alles hat später der alte Gordian, als er bereits Kaiser war, und noch keine Gefahr für sich sah, erzählt, ja auch von seinem und seines Sohnes Tode gesprochen."

Es gab auch Gegner der Astrologen unter den römischen Cäsaren, wenngleich es als sicher gelten darf, daß auch sie niemals die Sternlehre selber verfolgten, sondern nur die Astrologen, sobald diese ihnen mit politischen Prognosen in die Quere kamen. Zu ihnen gehörten Titus und Vespasian, während Domitianus anscheinend auch persönlich nicht viel von der Astrologie hielt. Doch weiß Sueton auch von ihm eine Anekdote zu berichten, welche diesen persönlichen Unglauben des Kaisers zu widerlegen geeignet erscheint. Er schildert von Domitian folgende Begebenheit:

"Nichts machte solchen Eindruck auf ihn (Domitian), als die Antwort und das Schicksal des Astrologen ASCLETARIO. Als dieser beschuldigt wurde und auch nicht leugnete, veröffentlicht zu haben, was er durch seine Kunst vorausgesehen, fragte ihn Domitian, welches Ende dann seiner selbst warte. Ascletario versicherte, er werde in kurzer Zeit von Hunden zerrissen. Domitian ließ ihn unverweilt hinrichten, befahl aber, um die Nichtigkeit seiner Kunst zu beweisen, daß man ihn mit aller Sorgfalt bestatten solle. Als dies geschah, ereignete sich, daß durch einen plötzlichen Sturm der Scheiterhaufen umgeworfen und der halbverbrannte Leichnam des Ascletario von Hunden zerrissen wurde. Der Hofauspieler Latinus, welcher dies zufällig im Vorbeigehen gesehen hatte, erzählte es bald darauf dem Kaiser, während der Tafel unter den sonstigen Tagesneuigkeiten."

Von einem andern großen Gegner der Astrologen, dem Kaiser Vitellius, erging einmal der Befehl, daß alle Astrologen bis zum 1. Oktober Italien verlassen sollten. Tags darauf las man an allen Straßenecken und Plätzen Anschläge mit folgender Prognose: "Glück und Heil! Die Chaldäer (Astrologen) geben bekannt. daß Vitellius Germanicus am 1. Oktober nicht mehr leben wird." Und in der Tat wurde Vitellius noch vor dem 1. Oktober ermordet und sein blutiger Leichnam vom Pöbel geschändet und das, ohne daß eine einzige Stimme den Astrologen die direkte oder indirekte Schuld daran zugeschrieben hätte!

Schier unerschöpflich ist der Reichtum erfüllter astrologischer Zukunftsberechnungen aus der römischen Kaiserzeit. Spartianus erzählt in der Biographie Hadrians, daß Kaiser Hadrian einst gegen Ende der Regierung Domitians (t 96 n. Chr.) als Tribun der 2. Reservelegion nach Niedermösien (jetzt Serbien) versetzt, daselbst von einem Astrologen das nämliche erfuhr, was ihm schon sein Großoheim AELIUS HADRIANUS, ein geschickter und bekannter Astrologe, prognostiziert hatte die künftige Herrschaft. Diese Erfahrung bewog den Kaiser, sich selber dem Studium der Sternlehre zu widmen. Er wurde nach seinem obengenannten Biographen in dieser Wissenschaft derart erfahren, daß er jeden ersten Januar alles niederschrieb, was ihm das ganze Jahr an Ereignissen bringen mußte. In seinem Todesjahre fanden sich ebenso alle zu erwartenden Ereignisse verzeichnet bis zum Tag und zur Stunde des wirklichen Todes.

In anekdotenhafter Weise berichtet Spartianus ferner von dem Vater des Kaisers Pertinax (193 n. Chr.), der, obwohl in ärmlichen Verhältnissen lebend, seinem Kinde das Horoskop stellen ließ und dann die Ausgabe lebhaft bedauerte, weil er die glänzende Zukunft, die der Astrologe dem Neugeborenen verhieß, durchaus unglaubhaft fand. Und doch hatte der Astrologe Recht, ebenso wie jener, der nach Plutarch (Sulla 37) dem Sulla die Prognose gestellt hatte, er werde in der Fülle des Glückes sterben die erste astrologische Trefferberechnung, von der Roms Geschichte weiß. Sie hat zudem den Vorzug, gut beglaubigt zu sein, während die Berichte von den astrologischen Erfolgen des EPIMENIDES (500 n. Chr.) und von den erfüllten Prognosen für den jungen Alexander ebenso anekdotenhaft erscheinen wie die Berechnungen Kaiser Julians, der sich allerdings mit Eifer der Sternlehre widmete. Porphyrius gesteht, er habe eines Tages den Entschluß gefaßt, aus dem Leben zu scheiden, als PLOTIN, der dieses unselige Vorhaben aus den Sternen erkannt hatte, zu ihm gekommen sei und ihn davon abzuhalten wußte. Der Philosoph Leon hingegen, Vater der Kaiserin Eudoxia, war seiner Voraussage über das große Geschick seiner Tochter so gewiß, daß er sie gänzlich enterbte und all sein Hab und Gut ihrem Bruder hinterließ, "der es nötiger haben werde".

Nach solchen Beispielen scheint es gar nicht so unglaubwürdig, daß der Rhetor LAMPRIDIUS, ein Freund des Sidonius, tatsächlich Ort und Stunde seines eigenen Todes richtig vorher berechnet habe (Ep. 8, 11; 9, 13). Ebendies wird ja auch von dem älteren Thrasyllus und von Hadrian behauptet. Auch von neuzeitlichen Astrologen ist solches überliefert. Das bekannteste Beispiel hierfür gibt der Tübinger Professor fijr Mathematik Johann STÖFFLER, der an seinem selbstberechneten Todestag, am 16. Februar 1531, jede Unglücksmöglichkeit zu vermeiden suchte, indem er einige Freunde einlud und zu Hause blieb. Es entwickelte sich aber ein lebhafter Disput, wobei Stöffler seine Behauptungen beweisen wollte. Er begab sich also nach einem hochstehenden Büchergestell, um einen Folianten herauszunehmen. Dabei geriet dieses ins Stürzen und erschlug den alten Mann.

Auch der mailändische Arzt CARDANUS hatte Tag und Jahr seines Todes vorherberechnet, so daß ihm später von Gegnern der Astrologie sogar vorgeworfen wurde, er habe den eigenen Tod beschleunigt, um nicht einer Fehlprognose geziehen werden zu können (3).

Wahrhaft tragisch ist das Geschick des Grafen Pico von Mirandola. Er, der heftigste Gegner der Sternlehre in der Renaissance, der sein ganzen Leben der Bekämpfung des "astrologischen Wahnes" gewidmet hatte, mußte durch seinen eigenen Tod gerade einen hervorragenden Beweis für seine Gegner liefern. Er starb nämlich genau zu der Zeit, an der ihm von nicht weniger als drei Astrologen der Tod vorausberechnet worden war.

Die Renaissancezeit ist überhaupt reich an bedeutenden Astrologen. Keine Epoche weist so viele erfüllte Zukunftsberechnungen auf. Bereits 1480 Prophezeite Antonius TORQUATUS in einem für den König Matthias Corvinus von Ungarn geschriebenen Manuskript, das sich heute in der Münchener Staatsbibliothek befindet, nicht bloß das Auftreten Luthers und die Bauernkriege von 1524/25, sondern auch den Sacco di Roma des Jahres 1527! Diese Glanzleistung einer astrologischen Vorausberechnung über nicht weniger denn 47 Jahre wird noch viel zu wenig gewürdigt! Dabei ist die Prognose völlig eindeutig. Nach dem Jahre 1526, heißt es darin, "wird das Glück anfahen den Geistlichen widerstreben und in viel Jahren groß Plag und Unfall über sie verhängen. Rom wird mit Gewalt erobert und von dem kaiserlichen Heer geplündert und viel Leut werden darin sterben. Der Papst wird verjagt und gefangen, die Kardinäle werden all ihres Gutes beraubt..." Ähnlich präzis ist der Bauernkrieg vorhergesagt: "Zu diesen Zeiten, 1524 und 1525, werden viel und große Aufruhr in deutschen Landen erwachsen. Die Bauern werden sich wider den Adel setzen."

Von Luther aber weiß die gleiche Handschrift zu berichten: "Es wird von Mitternacht einer aufstehen, der das Volk von dem römischen Stuhl abwenden wird und mächtiger Fürsten Huld und Beistand haben." TORQUATUS setzt wie alle Astrologen infolge der besonderen Anzeichen am Himmel große Hoffnungen auf die künftige Reformation. Er schreibt, daß der zu erwartende Prophet große Dinge tue und reden werde. In dieser Zeit würden viele falsche Gleisner sein, die ihren eigenen Nutz und Lob suchen und nach geistlicher Pracht und Würdigkeit stellen, und werde ein großer Irrtum und Durchachtung der christlichen Gemein, bis solange die Bösen und Verstockten des geistlichen Standes unterdrückt und böse Bräuch und Sitten in gute verwandelt würden. Es würden böse Gewohnheiten abgetan und neue, göttliche, billige Gesetz, gut Bräuche und christliche Gesetz und Wesen aufgerichtet. Dies alles bewahrheitete sich, sogar für die Katholiken, denen das Auftreten Luthers zum Anstoß zur längst von allen Konzilien geforderten innerkirchlichen Reformation wurde.

So klar sprachen die Sterne, so übereinstimmend wurden sie von den Astrologen gedeutet, daß der Münchener Theologieprofessor Dr. J. Friedrich dieselben direkt "Prediger der Reformation und Urheber des Bauernkrieges" nennt. Allerdings, LICHTENBERGER, der Astrologe Kaiser Friedrichs III., bestimmte schon 1484, sicherlich aber 1487 den Zeitpunkt des Ausbruches des Bauernkrieges und das Auftreten des Reformators. Übereinstimmend verkündete Jakob PFLAUM aus Ulm im Jahre 1500, daß sich ab 1520 ein großer "Ketzer" erheben werde, "der aus wird lassen im Druck, deutsch und lateinisch, daß allen Menschen offenbar wird, wider unsern heiligen Vater, dem Papst, und seine Kardinäle und wider die Priesterschaft und die christliche Kirche, ihr unbillig und unordentlich Wesen, das sie führen, das dann in dem obgenannten Druck als wohl und ordentlich gestimmt wird, dadurch die gemeinen Laien Neid und Haß werden tragen wider den Papst und die christliche Kirche, dadurch sich erheben wird ein Aufruhr in aller Christenheit wider die Geistlichen." Friedrich irrt allerdings, wenn er die Astrologen für den Ausbruch der Reformation und des Bauernkrieges verantwortlich macht. Diese sahen wohl die Ereignisse voraus, aber sie konnten sie weder hindern noch beschleunigen. Manche unter ihnen, wie der katholische Geistliche und Geheimsekretär Maximilians I., Joseph GRÜNBECK aus Burghausen, oder der Tübinger Mathematiker Johann STÖFFLER, ferner Johann von HAGEN und viele andere bemühten sich mit allen Mitteln um Verhütung des errechneten Unheils. Es war aber umsonst. Die Astrologen können niemals für den Ausbruch der Reformation und des Bauernkrieges verantwortlich gemacht werden. Denn schließlich müßte man dann auch dem Antonius Torquatus die Schuld an dem Sacco di Roma zuschieben, den dieser wohl auf 47 Jahre vorausberechnen konnte, den aber weder er noch alle Astrologen der ganzen Welt hätten verhindern können, auch wenn sie ihre Prognose verschwiegen oder anders gestellt hätten.

Ein überzeugenden Argument aber, das die Astrologen des XV. und XVI. Jahrhunderts endgültig von aller Schuld an Reformation und Bauernkrieg freizusprechen geeignet ist, habe ich im Text von "Kirche und Sternlehre", worin dieser ganze Fragenkomplex ausführlich behandelt wird, unerwähnt gelassen. Es ist dies die Tatsache, daß die Astrologie die große Weltwende um den Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert bereits 400 Jahre früher angekündigt hatte!

Der Kardinal Pierre d'Ailly (1350 bis ca. 1420) veröffentlichte nämlich in seiner Schrift "Über die Einhelligkeit der Astronomie mit der Theologie" verschiedene Zukunftsprognosen, die sich auf die religiöse Umwälzung zu Beginn des 16. Jahrhunderts (1518) und die gewaltsame Umgestaltung der öffentlichen Verhältnisse um das Jahr 1789 beziehen. Der Wortlaut des auf die große Revolution abzielenden Passus ist folgender: "Anno Christi MDCCLXXXIX si mundus usque ad illa tempora duraverit quot solus Deus novit, multa tunc et magnae et mirabiles alterationes mundi et mutationes futurae aunt et maxime circa leges." Zu Deutsch: "Im Jahre 1789 wenn die Welt bis zu jenen Zeiten bestehen wird, was allein Gott weiß werden große und erstaunliche Umwälzungen und Wandlungen geschehen. die am meisten die Gesetze und das Parteiwesen betreffen."

Schon Humboldt wies alle Spötter und Zweifler auf diese Vorherberechnung der französischen Revolution hin. Es verhält sich nämlich nicht so, als sei dem Kardinal ein Zufallstreffer gelungen. Mehrfach sind seine Berechnungen überprüft und in ähnlicher Form wiederholt worden. So schreibt der berühmte REGIOMONTANUS (Johannes Müller) aus Königsberg, Bischof von Regensburg, einer der größten Wissenschaftler seiner Zeit, wörtlich: "Post mille expletos a partu virginis annos et septingentos rursus abire datos octagesimus octavus, amirabills annus ingruet et secum tristia facta feret. Si non hoc anno totus malus occidat orbis, si non in nihilum terra fretumque ruet: Cuncta tamen mundi sursum ibunt atque deorsum imperia et luctus undique grandis erit." Zu Deutsch: "Nach der Geburt Christi wird das merkwürdige Jahr 1788 kommen und traurige Geschicke mit sich tragen. Wenn in jenem Jahr die ganze böse Welt nicht untergeht, wenn Erde und Meer nicht zusammenstürzt, so wird es doch in allen Ländern der Welt drunter und drüber gehen, und große Trauer wird allenthalben sein."

Ebenso erkannte der Philosoph und Astrologe TURREL (Tarrean) aus Dijon, ein Zeitgenosse des galanten Franz I., die Wichtigkeit jener zukünftigen Zeitepoche. Er schreibt nämlich in seiner Schrift "Le periode, c'est à dire la fin du monde", welche 1831 zu Lyon eine Neuauflage erlebte, wörtlich: "Reden wir nicht ferner von geschehenen Dingen, welche jedermann, falls er sich den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit nicht zuziehen will, wissen soll, und hören wir vielmehr die Sprache der Astrologen, welche sagen, daß im Jahre 1798 oder 1814 wenn bis dahin die Welt noch steht, was in Gottes Hand liegt daß in diesem Jahr der Veränderung der Planeten gewaltige Veränderungen auf dem Erdkreise erfolgen werden. Neue Sekten werden sich um diese Zeit bilden, kurz allerlei Revolutionen vorgehen."

Dasselbe meint im XVI. Jahrhundert ein Domherr von Langres namens Richard ROUSSART. Dieser Geistliche deutete die großen Konjunktionen des Saturn im Jahre 1798 und die folgende von 1814 (1) auf sehr große, wunderbare und schreckenerregende Veränderungen und Umwälzungen, deren Schauplatz die ganze Welt sein werde und von welchen auch Religion und Gesetze nicht ausgenommen sein würden.

Die genau die napoleonische Episode einschließenden Planetenkonjunktionen von 1798 und 1814 sind übrigens nicht identisch mit dem Zyklusbeginn des Jahres 1789, obwohl astrologisch diese Daten einander ergänzen und gleichsam eine einheitliche Periode anzeigen. Der Kardinal d'Ailly richtete sein Augenmerk vorzüglich auf den nach astrologischen Berechnungen 1789 anhebenden Beginn eines neuen Zyklus (2) Dieser war auch dem viel verleumdeten Michael NOSTRADAMUS (1503-1566) bekannt, in dessen Brief an Heinrich II. von Frankreich, der in seinen berühmten Zenturien, die erstmalig 1555 zu Lyon veröffentlicht worden, enthalten ist, sich die wörtliche Bemerkung findet:

"...et sera le commencement comprenant ce de ce que durera et commencant icelle annea sera faicte plus grade persecution à l'Eglise Chrestienne, quo n'a este faicte en Afrique, et durera ceste-icy iusque á l'an mil sept cens nonante deux que l'a cuydera estre un renuovation de siecle: apres commencera le peuple Romain de se redresser, et de chasser quelque obscures tenebres, recenant quelques peu le leur pristine elarté, non sans grade diuision et contiuel chagement ", zu Deutsch. ".... und wird der Anfang sein dessen, was dauern wird; mit Anfang dieses Jahres wird nämlich eine größere Verfolgung der christlichen Kirche einsetzen, als in Afrika gemacht wurde, und dieselbe wird dauern bis zum Jahre 1792, von dem man denken wird, daß es eine Zeiterneuerung sei beginnt das römische Volk sich wieder aufzurichten und gewisse finstere Wolken zu verscheuchen, wobei es ein wenig von dem früheren Glorienscheine zurückerhält, aber nicht ohne große Spaltung und fortdauernde Umwälzungen."

Das Ausgangsjahr dieser durch die Geschichte bestätigten Entwicklung ist für Nostradamus das Jahr 1606. Wenigstens rechnet Dr. Chr. Wöllner in seiner ungemein aufschlußreichen Studie "Das Mysterium des Nostradamus" 1926 dem großen astrologischen Genie des XVI. Jahrhunderts dieses Jahr nach. Dr. Wöllner gebührt übrigens das große Verdienst, den unumstößlichen Beweis erbracht zu haben, daß die Astrologie das Fundament für alle Zukunftsweissagungen des Nostradamus abgibt. Auch die erstaunliche Prognose über das Jahr 1792, in dem man, wie bekannt ist, tatsächlich eine neue Zeitrechnung einzuführen versuchte, beruht auf astrologischen Berechnungen.

Von den genannten Astrologen nun, welche die große Zeitenwende des XVIII./XIX. Jahrhunderts vorherzubestimmen wagten, sagte übrigens TURREL nach dem Berichte seines Zeitgenossen Paradin der französischen Königin den unglücklichen Verlauf des Feldzuges in Oberitalien (Schlacht von Pavia 1525) in klarer Weise vorher. Von REGIOMONTANUS aber berichtet sogar der große Gegner der Astrologen, Gassendi, dessen Zeugnis darum besonders schwer ins Gewicht fällt, daß König Matthias Corvinus von Ungarn einst in schwere Krankheit fiel und die Ärzte sich um den Grund des Leidens vergeblich mühten. Da habe der gefeierte Astronom, der mit einem Jahrgeld von 200 Goldgulden nach Ofen berufen worden war, die wahre Ursache des Leidens durch seine astrologischen Kenntnisse erforscht; der König, nach seinen Angaben behandelt, genas und überhäufte zum Zeichen seiner Anerkennung den Regiomontanus mit Geschenken.

Aber von allen den bisher genannten ist dennoch Michael NOSTRADAMUS der erfolgreichste Astrologe gewesen. Daher konnte er sich auch rühmen, das Vertrauen den Königs Heinrich II. und seiner ihm in der Regierung folgenden Gemahlin Katharina von Medici zu genießen. Deren Sohn Karl IX. machte ihn sogar zu seinem Leibmedicus.

Es ist verbürgt, daß Nostradamus schon lange vorher infolge seiner astrologischen Berechnungen die Niederlage der Franzosen bei St. Quentin (am 10 August 1557) vorausgesagt hatte. Damals wurden die Truppen des Königs von Frankreich vernichtend geschlagen, der Connétable Montmorency fiel, der Maréchal St. André und viele andere Edelleute gerieten in spanische Gefangenschaft.

Der nämliche Astrologe hatte für 1559 den Tod Heinrichs II. von Frankreich vorausgesagt. Auch in seinen Zenturien veröffentlichte er einen Hinweis (I, 35), daß der König im Duell getötet werden wiirde. Und obwohl Katharina von Medici, Heinrichs II. Gemahlin, über eine solche Unwahrscheinlichkeit hell aufgelacht haben soll, wurde der König dennoch während eines Turnieres, das er bei Gelegenheit der Vermählung seiner Tochter Elisabeth mit König Philipp II. von Spanien veranstaltete, vom Grafen Montgomery durch einen Lanzenstich ins rechte Auge tödlich verwundet und starb am 10. Juli 1559. Übrigens war dem König bereits von Lucas GAURICUS der Tod im Zweikampf prognostiziert worden. Er erhielt das Horoskop zu Blois, unmittelbar nach Abschluß des Waffenstillstandes von Vaucelles am 5. Februar 1556. Hierin wird er gewarnt, "ne circiter unum et quadragesimum aetatis annum vitaret duellum, astra minari vulnus in capite, quod vel coecitatem vel mortem continuo afferet", "daß, wenn er sich nicht um sein 41. Lebensjahr vor einem Zweikampf hüte, die Gestirne ihm eine Verwundung am Kopfe drohten, durch welche er sich entweder eine Erblindung oder selbst den Tod zuziehen würde."

"Je le mis de latin en francois", schreibt Claude de l'Aubespine über dieses Horoskop des Bischofs von Civita, "pour le fair entendre au Roy. Cet oroscope fut négligé jusques au jour de la blessure du dict seigneur, dont je reppresentay la coppie, qui donna beaucoup d'esbahissement". (Ich habe es vom Lateinischen ins Französische übersetzt, um es dem König vorzulegen. Aber dieses Horoskop, von dem ich eine Abschrift lieferte, die viel Aufsehen erregte, blieb bis zum Tage der Verwundung des hohen Herrn unbeachtet). Auch Brantôme spricht von der Prophezeiung. "Der König fand, daß er in einem Turnier, anläßlich eines Zweikampfes sterben sollte. Neben ihm stand der Connetable, zu dem der König sagte: "Sehen Sie, mein Vetter, welcher Tod mir vorhergesagt wird: "

"Oh, Sire", unterbrach ihn der Connetable, "wollen Sie wirklich diesen Marotten von Lügnern und Großtuern Glauben schenken? Werfen Sie das Zeug doch ins Feuer."

"Mein Vetter", antwortete der König, "weshalb? Manchmal sagen sie doch die Wahrheit. Ich sorge mich nicht mehr um diesen Tod als um irgend einen andern; ja, eigentlich zöge ich es vor, von der Hand eines andern getötet zu werden, wenn er nur stark und tapfer ist und ich daran Ruhm ernte." Und ohne weiter auf das zu hören, was der Connetable sagte, gab er die Prognose Herrn von L'Aubespine zur Aufbewahrung, bis er sie wiederum von ihm fordern würde."

Erst nach drei Jahren, als der König im Zweikampf mit dem Grafen Montgommery am 30. Juni 1559 die tödliche Wunde empfing, ließ sich der Connetable das von Gauricus aufgestellte Horoskop aushändigen und überzeugte sich wenn auch zu spät von der Richtigkeit und Wahrheit astrologischer Prophezeiungen.

Oftmals allerdings waren diese nur schwer verständlich, weil sich ihre Urheber moralisch nicht zur völligen Klarheit berechtigt fühlten. Ein Beispiel bildet der schon erwähnte Nostradamus. Er weissagte der Prinzessin Margaret, daß sie einen Sohn bekommen werde, der als Feldherr großen Ruhm erlangen werde und dem kabbalistisch der Name Karl angezeigt sei. Als nun dieser Karl tatsächlich am 12. Januar 1562 geboren wurde, stellte ihm Nostradamus das Horoskop, fand sich aber nach reiflicher Charakteranalyse nicht berechtigt über das gefundene Lebensalter direkt Auskunft zu geben und half sich mit der Feststellung, daß Karl in einem bestimmten Jahre, ohne daß Krieg sein werde, eine Verwundung erleiden, aber erst sterben werde, wenn eine 9 vor einer 7 komme. Im angegebenen Jahr der Verwundung verletzte sich Karl erheblich am Bein. Seither glaubte er fest, ein Alter von 97 Jahren zu erreichen. Er starb aber im 69. Lebensjahre. was ihm eben Nostradamus hatte verhehlen wollen. Denn auf 69 folgt 70, die 7 auf die 9.

Zu den berühmtesten Berechnungen den Nostradamus, die sich bereits erfüllt haben und zeitlich nach astronomischen und astrologischen Regeln bestimmt werden können, gehört die Feststellung, daß die Ehe der Maria Stuart und deren Leben so erbarmungswürdig enden würden (Zent. X, 55) und die Berechnung der Folgen ihrer Ehe mit Franz II. von Frankreich (Zent. X, 39), ferner die Prognose des harten Winters von 1556 auf 1557 (Zent. III, 4), der Niederlage der Türken vor 1576 (Zent. III, 97; Schlacht von Lepanto 1571). des Ediktes von Nantes 1598 (Zent. I, 54) und der marokkanischen Wirren im ersten Dezennium des 17. Jahrhunderts. Hier (Zent. VI 54) nennt Nostradamus die Jahreszahl 1607, die er in Zent. VIII, 7l auch völlig der Wahrheit entsprechend als hochbedeutsame Epoche erkennt, in der die Kirche mit den Astronomen (Galilei!) in Streit geraten werde. Hinsichtlich der beiden Päpste, die im gleichen Jahre den Stuhl Petri besteigen sollen (Zent. X, 91) irrt er sich nur um 4 Jahre. Nostradamus schreibt 1609, während 1605 erst Leo XI., der nur 26 Tage regierte, und dann Paul V. den römischen Bischofssitz einnahmen. Nach Zent. I, 62 hat Nostradamus die Wirren des dreißigjährigen Krieges vorherberechnet, nach Zent. I, 16 ebenso die Kriege Frankreichs in den letzten Jahren des 17. Jahrhunderts. Der Quatrain VI, 2 verrät, daß er den spanischen Erbschaftskrieg des Jahres 1703 vorher berechnete und auch dessen Ausgang, der von der spanischen Monarchie fünf größere und selbständige Länder abriß (nämlich die Niederlande, die Lombardei, Sardinien, Sizilien und Neapel), wie denn auch gegen Ludwig XIV. fünf Mächte im Felde standen (nämlich der deutsche Kaiser, England, Holland, Portugal und Savoyen). Großartig ist es, wenn der Astrologe für die Zeit von 1444-1738 einen siebenmaligen Wechsel des Herrscherhauses in England berechnet (Zent. III, 57), also die Folge York (1461-1485), Tudor (1485-1603), Stuart (1603 bis 1649), die Republik (1649-1660), die Restauration (1660-1689), das Haus Oranien (1689-1714) und das Haus Hannover (1714-1901), zugleich aber den häufigen (10maligenl) Wechsel der Regierung Polens für den nämlichen Zeitabschnitt anzeigt. Die türkischen Erfolge, welche 1683 in der Belagerung Wiens gipfelten, werden von Nostradamus allerdings mehr gegen die Wende des Jahrhunderts verschoben (Zent. I, 49), aber die Ermordung des persischen Schah Hussein 1727 stimmt dafür wieder auf's Jahr (Zent. III, 77). Bei der Prognose über das Ende der Familie Barberini (VIII, 49) verfehlt sich Nostradamus um 2 Jahre. Er rechnet mit einer Konstellation vom 6. Feber 1736, während der letzte des alten Stammes der Barberini, der Kardinaldiakon Francesco III., Bischof von Palestrina, erst 1738 starb. Aber was will schon ein Fehler von 2 Jahren besagen, wenn es sich um eine Zukunftsprognose von 183 Jahren handelt! In Zent. V, 93 ist sodann die Rede von einem schottischen Erfolg in der Zeit von 1720-1756, was durch die siegreiche Schlacht von Culloden (1746), welche die Hoffnungen der Stuarts endgültig zu Fall brachte, seine Bestätigung findet. Von dem Kirchensturm und den "Leuten neuer Hefe" des Jahres 1792 handelt Zent. IX, 72, von der Herrschaft marxistischer Ideen in der Zeit von 1900-1936 der Quart. V, 24. Das große Erdbebenjahr 1929 ist Zent. X, 67 richtig als solches charakterisiert usw. Alle diese hier genannten Ereignisse sind astrologisch berechnet und auch in ihrer Berechnungsart von Dr. Chr. Wöllner nachgewiesen worden. Sie allein müßten eigentlich genügen, der Sternlehre ihren gebührenden Platz unter den Wissenschaften zurückzuerobern. Zumal Nostradamus, wenn er auch einzigartiges Genie ist, mit richtigen Zukunftsberechnungen durchaus nicht allein dasteht.

Weit berühmt war z. B. auch der Astronom und Berater des Ghibellinen Guido da Montefeltre: BONATTO. Dieser war erst Berater des Ezzelino da Romano, dann eine Zeit hindurch Stadtastrole von Florenz. Seine größten Erfolge aber feierte er als astronomischer Vertrauensmann des Markgrafen von Montefeltro. Sobald die für diesen siegverheißenden Konstellationen nahten, pflegte Bonatto mit Astrolab und Buch auf den Turm von S. Mercuriale über der Piazza zu steigen und von dort, sobald der Moment kam, die große Glocke zum Aufgebot zu läuten. Auf ein zweites gegebenes Zeichen saß alles auf und auf ein drittes ritten der Graf und seine Leute aus. Der Chronist fügt hinzu: "Sie kehrten auch meist siegreich zurück."

Als das Heer Papst Martins IV. Forli hart bedrängte, bestimmte Bonatto dem nämlichen Grafen astrologisch die Stunde für einen.günstigen Ausfall. Das Unternehmen gelang, und die Päpstlichen erlitten eine schwere Niederlage. Auch als Friedensvermittler hat sich Bonatto Verdienste erworben. Er bewog die Guelfen und Ghibellinen Forlis zum gemeinsamen Neubau ihrer Stadtmauer und zu feierlichem Beginn der Arbeit nach einer glücklichen Konstellation, um den ewigen Parteikämpfen ein Ende zu bereiten. Beide Parteien sollten jede einen Stein im gleichen Moment, wo die errechnete Gestirnstellung eintrat, in das Fundament werfen; dann würde in Ewigkeit keine Parteiung mehr möglich sein. Der große Augenblick kam, der Ghibelline warf auf Bonattos Zeichen seinen Stein hinunter, der Guelfe aber zögerte und weigerte sich schließlich gänzlich; Bonatto galt als Ghibelline und konnte Geheimnisvolles gegen die feindliche Partei im Schilde führen. Bonatto erzürnte höchstlichst, weil eine gleiche Konstellation in fünfhundert Jahren nicht mehr am Himmel der Stadt erblickt werden kannte und weil sich die guelfische Partei durch ihre Verweigerung der Mitarbeit selbst den Untergang bereitet habe, da die Gestirne den Besitz der Stadt eben jenen verhießen, welche die neue Stadtmauer errichteten, nunmehr also den Ghibellinen allein. "In der Tat", berichtet der Chronist um 1480, "verdarb Gott nachher die Guelfen von Forli; jetzt aber sind Guelfen und Ghibellinen versöhnt und man hört ihre Namen nicht mehr." (Vgl. Burckhardt II, S. 286 u. Anm. 4).

Bonatto ist jedoch nicht der erste bedeutende Astrologe des christlichen Abendlandes. Schon im 13. Jahrhundert prophezeite der Hofastrologe Kaiser Friedrichs II., Michael SCOTUS, das Jahr von dessen Tod und fügte hinzu, daß von allen Städten wohl Florenz jene wäre, deren Konstellationen am besten zu des Kaisers Tod passen würden. Tatsächlich starb Friedrich II. zur angegebenen Zeit in Florenz. Von sich selber verkündete Scotus, er werde durch einen herabfallenden Stein verschüttet werden. Auch das ging in Erfüllung: Beim Verrichten seiner Andacht wurde er durch den teilweisen Einsturz des Kirchengewölbes erschlagen.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts setzte der Rat zu Bologna dem Johann de LUNA eine lebenslängliche Pension aus, "weil er schon lange als Arzt und Astrolog das Wohl der Stadt mit großer Treue und Mühe gefördert habe". BELLANTIUS, ein Arzt aus Siena, der als erster (1498) die Schmähschrift des Pico gegen die Astrologen widerlegte, vermochte bereits fünf Monate früher, als Savonarola noch auf der Höhe seiner Macht stand, aus der Nativität des Dominikaners dessen Konflikt mit seinen kirchlichen Oberen und das daraus resultierende tragische Ende vorauszuberechnen.

Damals, in der Renaissanceepoche erlebte die Astrologie ihre eigentliche Blütezeit. Auch die Sternlehre fand damals ihre eigentliche Wiedergeburt. Hier war es, daß auch die Päpste leidenschaftlich für die Astrologie Partei ergriffen. Papst Pius II. bestätigt in seiner Europa c. 49, daß Baptista BLASIUS, Astronom aus Cremona, das Mißgeschick des Francesco Foscari (Dogen von Venedig) vorausgesagt habe, tam quam praevidisset, als hätte er es vorhergesehen.

Als Julius II. sich im Oktober 1510 leichtsinnig und aus Widerspruch nicht an die Warnungen der Astrologen hielt, erkrankte er schwer am Fieber, wie ihm prognostiziert worden war, und kam dadurch in arge Verlegenheit.

Paul III. ist von dem berühmtesten Astrologen Italiens, Lucas GAURICUS, dem späteren Bischof von Civita, zweimal, 1529 und 1532, die Erlangung der Tiara (1534) aus der Nativität errechnet worden.

Noch erstaunlicher ist die Zukunftsprognose des Johann CARIO (t 1538), Hofastrolog des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg, der bereits zu Anfang des XVI. Jahrhunderts für 1693 große Wirren verkündete es waren die Raubzüge Ludwigs XIV. und beifügte: "und noch unbarmherziger sollte es 1789 hergehen." Cario berechnet auch um 1500 für den Kurfürsten ein Familienhoroskop, worin er erklärte, das Haus Brandenburg hätte die höchste geistliche und weltliche Würde in deutschen Landen zu erhoffen.

Filippo Maria VISCONTI, dem laut Candido Decembrio die Astronomen schon als Kind prophezeit hatten, daß er den Ruhm seines ganzen Hauses überstrahlen werde, berechnete selber den Untergang seines Hauses. Auch wurde er gemäß den Prognostiken der Astrologen wirklich Thronerbe, obwohl er nicht der Erstgeborene war.

Gianartini und Paulus Jovius bezeugen beide die von einem Astrologen dem Papste Clemens VII. gemachte Prophezeiung, daß seine Nichte, Katharina von Medici, dazu bestimmt sei, Königin von Frankreich zu werden und dieses Land dem Ruin nahe zu bringen. Daß beides geschah, lehrt die Geschichte.

Der Erzbischof Simon Mayol von Volterra erklärt in seinen "Dies caniculares colloq. 1", gewisse Astrologen hätten seinem Amtsbruder, dem Erzbischof von Pisa, den Tod durch den Strang vorausgesagt, eine Prognose, die anläßlich des Aufstandes gegen die Medicäer in Florenz buchstäblich in Erfüllung ging.

Von einem Florentiner Astrologen, namens BASIL, der seinerzeit großen Einfluß gewann, wird behauptet, er habe dem Cosimo de Medici seinen Aufstieg infolge der Ähnlichkeit seines Geburtsbildes mit den Konstellationen Karls V. vorhergesagt.

Bemerkenswerte Trefferprognosen wurden auch von Antiochus TIBERIUS da Romagna gemacht, der eine zeitlang Rat des Tyrannen von Rimini, Pandolfo Malatesta, war. Er prognostizierte seinem Freunde Guido de Bogni, er würde von seinem besten Freund ungerecht verdächtigt und dadurch sein Leben verlieren, ein Geschick, das den tapferen Söldner auch tatsächlich traf. Für sich selber bestimmte er den Tod durch Henkershand vorher und für den Fürsten Pandolfo ein Lebensende in Armut und öffentlicher Fürsorge unter dem Breitengrad von Bologna. Beides hat sich erfüllt.

Der Arzt und Astrologe PIERLEONI von Spoleto glaubte, er werde einst ertrinken, mied deshalb alle Gewässer und ging aus Padua und Venedig nach Spoleto zurück, um dem Meere fern zu leben. Schließlich machte er doch seinem Leben durch einen Sturz ins Wasser ein Ende, aus Verzweiflung über den teilweise durch ihn verschuldeten Tod Lorenzos. Nicht alle jedoch ließen sich von dem Wissen um die eigene Zukunft derart niederdrücken. Der Condottiere Jacopo Caldaro blieb selbst in der schwersten Krankheit wohlgemut, weil er wußte, daß ihm aus den Gestirnen bestimmt sei, im Kampfe zu fallen, was schließlich auch geschah.

Lucas GAURICUS aber, der "Fürst der Sterndeuter", dessen Ruf und Ansehen alle seine Vorgänger und Zeitgenossen zu Unrecht selbst den des Nostradamus überstrahlt, prognostizierte dem Tyrannen von Bologna, Giovanni Bentivoglio, auf dessen Verlangen im Jahre 1506, daß er von Vaterland und Herrschaft verjagt werden würde. Diese Aussage erregte das höchste Mißfallen des Fragestellers. Von ihm ergriffen, erlitt er martervolle Behandlung wegen seinem Freimutes; Bentivoglio ließ ihn an einem Seil, das von einer hohen Wendeltreppe herabhing, fünfmal hin und her an die Wand schmeißen. Der Astrolog überstand diese Peinigung und lebte noch ein volles halbes Jahrhundert. Bentivoglio aber wurde aus Bologna verjagt.

Großes Ansehen fanden weiterhin die astrologischen Berechnungen des Georg THANNSTETTER, der nach Aschbach den Tod Kaiser Maximilians I. in bestimmter Weise lange auf den Tag vorausgesagt haben soll. Auch Johann STABIUS, der Lehrer des Thannstetter und als des Kaisers Hofhistoriograph seit 1503 dessen ständiger Begleiter auf Reisen und Feldzügen, soll den Tod Maximilians 1. einige Jahre voraus genau angegeben haben.

Ferner wird von dem weltbekannten Dr. Leonhard THURNEISSEN ( 1596) berichtet, er habe es so weit gebracht, daß er sowohl Sigismund I. als sich selbst den Sterbetag astrologisch genau ermittelte und vorherbestimmte.

Der schottische Astrologe und Mathematiker James BASSANTIN verkündete nach Sir James Melville's Memoiren dessen Bruder Sir Robert schon 1562 das Unheil, welches Maria Stuart treffen werde.

Goulart erzählt, daß nach dem Tode des Papstes Julius III. am 23. III. 1555 "ihm 18 Tage später Marcel Cervin in der Würde des römischen Bischofs nachfolgte und zwar durch die Gunst einiger Kardinäle, die seine tiefgründige Bildung bewunderten; aber er saß nur 22 Tage auf dem Stuhl Petri, als er durch einen Schlaganfall im Alter von 55 Jahren hinweggerafft wurde. Sein Vater Richard CERVIN, ein großer Astrologe, hatte ihm vorhergesagt, daß er den höchsten Rang in der Kirche erlangen werde. Deshalb weigerte sich Marcel, als er erwachsen von seiner Mutter Cassandra Bencia oft gedrängt wurde, er möge eine Ehe eingehen, unter Berufung auf diese Zukunftsberechnung hartnäckig, solches zu tun, indem er erklärte, er wolle kein glänzenderes Los suchen als jenes, das ihm von den Sternen außerhalb der Ehe und. im Zölibat verheißen sei, und er werde darum auch keinesfalls sich in die Fesseln der Ehe begeben. Aber sein Vater hatte eben vergessen, ihm mitzuteilen, daß seine Papstwürde nicht länger als drei Wochen dauern werde." Der gleiche Autor, der diese Erzählung berichtet, erklärt auch, eben dieser Papst habe sich geweigert, seinen Namen zu ändern. weil er fürchtete, damit die ihm, wie er glaubte, so günstigen Einflüsse seines Geburtshoroskopes irgendwie zu vernichten.

Goulart sammelte weiterhin die, auch von Jovius bestätigten Berichte, wonach der Astrologe Antiochus TIBERIUS, obwohl er für sich selbst ein schlimmes Ende errechnet hatte, es eines Tages wagte, dem Tyrannen Pandolfo Malatesta von Rimini die Verbannung vorherzuberechnen, was ihm den Verlust der Freiheit und schließlich den Tod einbrachte, ohne daß die Wahrheit der Aussage aber deshalb verändert worden wäre. Ein anderer italienischer Astrologe Bartolomeo COCLES aber berechnete sich selber einen gewaltsamen Tod durch Mördershand, einem Manne namens Copon aber, daß er einen Mord begehen werde. Er vergaß seine Prognose jedoch und erst seine Freunde erinnerten sich derselben, als ein italienischer Fürst den ihm unbequem gewordenen Astrologen durch eben diesen Copon töten ließ.

Prof. Dr. A. Krause bringt in seinem Buch "Die Astrologie" verschiedene Beispiele von erfüllten astrologischen Zukunftsberechnungen aus dem XVI. Jahrhundert. Er berichtet unter anderem:

"Im Jahre 1519 fuhr der berühmte Weltumsegler Magalâes (Magellan) mit fünf Schiffen von Spanien ab. Die Reise führte zur ersten Weltumseglung. Vor ihrem Beginn hatte der Astronom Rodrigo FALEIRO seinen Freund Magalâes gelehrt, wie er unterwegs aus Gestirnbeobachtungen die Länge des Schiffsortes berechnen könne. Gleichzeitig aber hatte er in den Sternen gelesen, daß der mitfahrende Astronom nie wieder zu den Seinen zurückkehren würde. Er weigerte sich deshalb, an der Fahrt teilzunehmen. An seiner Stelle fuhr der Astronom Andreas de San Martin von Sevilla mit. Er wurde 1521 mit Magalhâes auf der Philippinen-Insel Cebu von den Eingeborenen ermordet."

Meist jedoch trieb man Mundanastrologie. Im Jahre 1524 fand eine Konjunktion von drei Planeten in den Fischen statt. Sie war lange vorher berechnet. Die Deutung verlangte, daß dieses Jahr überaus regnerisch sein müsse und im Mittelpunkt großer Machtverschiebungen unter den Fürsten und Völkern stehen werde. Tatsächlich verhielt es sich auch so. Nach Prof. Krauses Feststellungen war der Sommer dieses Jahres ungewöhnlich regenreich, daß sich der Bischof von Tooulouse im Gedächtnis an die diesbezügliche Prognose des Astrologen STÖFFLER von einer neuen Sintflut sogar eine Arche nach dem Beispiel Noahs bauen ließ. Auch die politischen Prophezeiungen bewahrheiteten sich. In Deutschland wütete der Bauernkrieg, in Frankreich und in den nördlichen Staaten Bürgerkriege. 1529 mußte Christian II. von Dänemark vor seinem Neffen Friedrich I. nach den Niederlanden fliehen. Letzterer nahm 1524 sogar Kopenhagen ein, zwei Jahre nachdem unten im Süden die Türken Rhodus erobert hatten, was den Johanniterorden zur Übersiedlung nach Malta zwang, und zwei Jahre vorher das Kaiserliche Heer Rom eroberte und plünderte. 1525 fiel auch Franz I. von Frankreich in der unglücklichen Schlacht von Pavia in spanische Gefangenschaft.

Ähnlich bestätigte der fürchterlich heiße Sommer des Jahres 1540 die astrologischen Berechnungen. Sie basierten darauf, daß in diesem Jahre zuerst eine Sonnenfinsternis im Widder, dann eine Konjunktion von Saturn und Mars in der Waage und endlich eine solche von Jupiter und Sonne im Löwen stattfand.

Im Jahre 1564 wütete in ganz Europa eine fürchterliche Pest. Diese brachte man in Zusammenhang mit der im Vorjahre stattgefundenen Konjunktion von Saturn und Jupiter im Zeichen des Löwen nahe dem Sternhaufen Präsepe im Krebs, einer Begegnung, die schon Ptolemäus in seinen Schriften "erstickend und pestbringend" nennt. Vor allem war es Valentin TRUTIGER, Professor in Wittenberg, der beobachtet hatte, daß Saturn in einer Konjunktion mit Mars im Steinbock oder Krebs für die Stadt Brandenburg stets den Ausbruch pestartiger Krankheiten bringe. Aus diesem Allgemeinbild des Himmels leitete er auch für die Zusammengestirnung von Saturn und Jupiter im Krebs, in den Jahren 1564 und 1366, zu welcher der Mars ohnehin beitrat, eine allgemeine Pest ab, was denn auch zutraf.

Vom Jahre 1580 berichtet Prof. A. Krause : "1580 war nach astrologischer Deutung ein äußerst kritisches Jahr, denn: Am 31. Januar fand eine Mondfinsternis statt. Zur selben Zeit stand die Sonne im Wassermann. Dieses gehört zu den Menschenzeichen des Tierkreises (wie außerdem noch Zwillinge, Jungfrau und Schütze). Dann fand im März im Wassermann eine Konjunktion der beiden Unglücksplaneten Mars und Saturn statt. Außerdem standen Jupiter und Mars im September in Opposition. Das galt ebenfalls als unheilbringend, weil die Opposition (Gegenschein) an und für sich ein unglücklicher Aspekt ist und andrerseits einer der Planeten in einem Menschenzeichen stand. Im Oktober wiederholte sich dieselbe Opposition. Gleichzeitig erschien auch noch zu allem Unglück ein Komet. Nun mußte über die Menschheit das Unglück in der Form schwerer Krankheit hereinbrechen. Tatsächlich zog von Asien über Sizilien, Italien, Deutschland, Dänemark und Preußen eine Seuche nach Rußland hinein, die sich etwa mit der schweren Epidemie der spanischen Grippe im Jahre 1918 vergleichen läßt. In Rom zählte man 40 000 Kranke, in Lübeck, Hamburg und Bremen je 8000. In Deutschland wurde Kaiser Rudolf samt seinem ganzen Hofe von der Krankheit befallen. In Dänemark erkrankte König Friedrich II. samt seinem Hofe an ihr, in Rußland wurde König Stephan Bathory von Polen samt einem großen Teil seines Heeres, mit dem er gegen Rußland im Feld lag, von der Krankheit befallen."

Unzählige Beweise lieferte die Astrologie, wo immer sie von Ärzten zur Diagnose angewandt wurde. Neben Hieronymus de MANFREDI steht hier besonders der Mathematiker CARDANUS, der 1550 den Erzbischof von Schottland, John Hamilton, dem die Leibärzte des Königs Heinrich II. von Frankreich und auch jene des Kaisers (Karls V.) nicht zu helfen wußten, heilte. Cardanus stellte damals Hamilton ein Horoskop, worin er ihm den Tod durch Henkershand ankündigt, eine Trefferprognose, die der kritische Bayle zwar bezweifeln, aber trotz aller Bemühungen nicht widerlegen konnte. In Heidelberg veröffentlichte 1532 Dr. med. HASFURT eine Aufsehen erregende Schrift "Medicinae methodus ex mathematica ratione morbus curandi". Noch mehr als hundert Jahre später lehrten in England Dr. med. CULPEPER (1630) und in Spanien Dr. med. Antonio TEXEIRA (1670) mit größtem Erfolg die astrologische Medizin. Ihnen könnten unzählige weitere Astrologen-Ärzte, die nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer astronomischen Kenntnisse Ansehen gewannen und Erfolge aufwiegen, beigefügt werden. Sie alle werden überstrahlt von der europäischen Bedeutung eines PARACELSUS von Hohenheim (1493-1541), dem dank seiner astrologischen Kenntnisse wahre Wunderkuren gelangen. Erst die Gegenwart beginnt wiederum für das von einer seichten "Aufklärung" arg geschmähte überragende Genie des Paracelsus Verständnis zu gewinnen.

Aber nicht ärztliche Prognosen bilden die Hauptstütze des astrologischen Wahrheitsbeweises, sondern dies gilt natürlich nur für die vorliegende Studie und allen mit ihr konform laufenden Zwecken die Erfüllung von Berechnungen, die sich auf allgemeine Verhältnisse menschlichen Lebens ausdehnen. Hierher gehört, was der bekannte dänische Astrolog Heinrich RANTZAU (15261598), Statthalter von Schleswig-Holstein, von seinem Standesgenossen, dem Dänen Detlev Reventlow berichtet. Reventlow berechnete während der Herrschaft des dänischen Königs Christian II. das Horoskop für dessen Neffen Friedrich, Herzog von Schleswig und Holstein und dessen Sohn Christian und urteilte, daß sie beide Könige von Dänemark werden würden. Tatsächlich wurde Christian II. 1523 von den dänischen Ständen vertrieben, welche Friedrich I. an seiner statt zum Könige wählten, worin ihnen 1524 die norwegischen Stände folgten. Als Friedrich I. 1533 starb, folgte ihm sein Sohn Christian III. in der Königswürde der beiden nordischen Staaten.

Reventlow erfreute sich bei seinen Zeitgenossen des Rufes als ein ungewöhnlich hervorragender Astrologe. Er gab den Königen Friedrich I. und Christian III. noch vor der Geburt das Geschlecht der zu erwartenden Kinder an, er sagte Andreas von Barby voraus, daß er Bischof von Lübeck werden würde, ebenso in welchem Jahre und in welchem Monate er sterben werde und welche Krankheit zu seinem Tode führen dürfte.

Der Theologieprofessor JUNCTINUS, der aber nur als Mathematiker und Astrolog bleibenden Ruhm erlangte, nicht als Theologe, berechnete das Horoskop Heinrichs, des dritten Sohnes Königs Heinrich II. von Frankreich und dessen Gemahlin Katharina von Medici, welcher 1573 zum König von Polen gewählt worden war. Junctinus behauptete nun damals sofort dem jungen Fürsten gegenüber, daß bei seiner Geburt das Sternbild "Kleiner Hund" so gestellt gewesen sei, daß darin die Anzeige enthalten wäre, er würde König eines noch größeren Reiches werden als Polen und das in gar nicht zu langer Zeit. Tatsächlich durfte der König schon am 18. Juni 1574 Polen heimlich verlassen, um unter dem Namen Heinrich III. den französischen Thron zu besteigen, weil seine beiden älteren Brüder mittlerweile gestorben waren. Franz II., der nur ein Jahr regierte, nämlich bis 1560, und Karl IX., für den erst seine Mutter die Regentschaft führte, so daß er also wider Erwarten in seinem Heimatlande thronfolgeberechtigt wurde.

Glänzend sind weiterhin die Prognosen Tycho BRAHE'S, den der dänische König Friedrich II. freigebigst unterstützte, ihm sogar seine Sternwarte Uranienborg auf der Insel Hven erbaute. Dafür stellte der große Astronom den drei Söhnen des Königs Horoskope, die bis zum heutigen Tage erhalten sind. Sie sind in prächtige Einbände gebunden und weisen ausgedehnte Rechnungen und Deutungen auf, die nach Krause erkennen lassen, "daß sich Tycho de Brahe der Sache mit Lust und Liebe und aus Überzeugung gewidmet hat." Zwei der Horoskope liegen im Original vor, vom dritten kennt man mehrere gleichlautende Abschriften. Die Prognosen sind zum größten Teil eingetroffen. Besonders die Horoskope des ältesten Sohnes Christian (1577-1648), der später als Christian IV. den dänischen Königsthron innehatte, und des jüngsten Sohnes Hans, der achtzehnjährig 1602 in Rußland starb, stimmen mit dem wirklichen Leben der beiden auffallend überein. Nur die Deutung des Lebens von Ulrich, dem zweiten Sohne, bietet Schwierigkeiten. Vielleicht lag der Fehler in der Angabe der Geburtszeit. Tycho de Brahe berechnete auch noch ein Horoskop für den Sohn des späteren schwedischen Königs Karl, den nachmaligen König Gustav Adolf, worin dessen Charakter trefflich gezeichnet und auch die Besteigung des Thrones genau vorherbestimmt wird.

Auch KEPLER darf seinen astronomischen Triumphen solche auf dem Gebiet der Astrologie beifügen. Bereits 1608 stellte er dem damals 26jährigen Wallenstein ein Horoskop, in dem er ihn zwar erst hochbetagt am Fieber sterben läßt, aber dennoch das Jahr seines tatsächlichen Todes als ein besonders gefahrvolles voraussagt. Damals war der spätere Herzog von Friedland noch ein ganz unbedeutender böhmischer Adeliger und dennoch muß selbst ein Struve bekennen, daß Kepler seinen Charakter nahezu so darstelle, wie wir ihn aus der Geschichte kennen. Ferner enthält Keplers Brief von Ostern 1611. der an einen Vertrauten Kaiser Rudolfs II. gerichtet ist, astrologisch fundierte trübe Aussagen für Rudolf und günstige für dessen Bruder Matthias, welche sämtliche von den historischen Ereignissen bewahrheitet wurden.

Keplers Zeitgenosse Andreas GOLDMAYER prognostizierte unter anderm auf den Tag genau den Tod des Schwedenkönigs Gustav Adolf, der in der Schlacht von Lützen fiel. Ebenso ermittelte er auf Jahre voraus seine eigene Todeszeit auf Tag und Stunde, wie sie wirklich eintrat.

Der englische Astrologe William LILLY bezog von König Karl I. ein ansehnliches Jahresgehalt und erhielt von dem schwedischen König eine kostbare goldene Kette, weil er seine Erfolge so gewiß vorher zu bestimmen wußte. Von ihm ist bekannt, daß er die große Feuersbrunst von London im Jahre 1666, die den heutigen Astrologen zum Ausgangspunkt für das Horoskop dieser Stadt wurde, öffentlich um nicht weniger als fünfzehn Jahre vorher berechnete.

Auch der englische Dichter John DRYDEN betätigte sich als Astrologe. Er berechnete genau verschiedene Unglücksfälle seines Sohnes Charles, sowie dessen Ertrinkungstod in der Themse, ohne ihn deshalb jedoch verhindern zu können. Auch für sich selber prognostizierte er exakt die Zeit und Art seines Todes durch Brand am Bein.

Der bedeutendste Vertreter der Sternlehre im XVII. Jahrhundert ist aber der unübertroffene Jean Baptiste MORIN (1583-1656), dem bis heute niemand eine eigentliche Fehlprognose nachweisen konnte. Morin machte sein Glück einzig infolge seiner astrologischen Begabung. Von ihm stammt das größte und tiefste Lehrbuch über Astrologie aller Zeiten, die 1661 erschienene "Astrologia Gallica", deren Determinationsmethode noch heute vorbildlich und unerreicht ist. Morin fand bei Berechnungen über die Ereignisse des Jahres 1617, daß ungünstige Gestirne seinen damaligen Gönner, den Bischof Claude Dormy von Boulogne, mit Gefängnis, wenn nicht mit dem Tode bedrohten. Er warnte den Bischof, aber dieser schlug die Warnung in den Wind. Und doch wurde er, in politische Händel verstrickt, noch im gleichen Jahre als Rebell in Gefangenschaft gesetzt. Damit war Morins Können erwiesen. Der astrologiebeflissene Abt von Brettonniere nahm ihn in seine Dienste, welche er aber schon 1621 mit der Stellung eines Leibarztes des Herzogs von Luxemburg vertauschte. Von dort kam er durch folgende Begebenheit an den französischen Hof:

Als nämlich Henri d'Effiat, ein hochgestellter Edelmann, sich an Morin um ein Horoskop wandte, führte dieser wohl die Berechnungen aus, aber er verweigerte dann jede Auskunft. Herr d'Effiat, der beim König in hoher Gunst stand, nannte ihn nun einen Betrüger und Schwindler, worauf sich Morin infolge Eingreifens des Herzogs und über dessen Befehl herbeiließ, seine Berechnungen dahin zu erläutern, daß Herr d'Effiat binnen drei Jahren ein schimpfliches, gewaltsames Ende finden werde. Diese mehr als unglaubwürdige Prognose wurde von Herrn d'Effiat selber an der königlichen Tafel erzählt. Als nun Herr d'Effiat tatsächlich nach drei Jahren auf offenem Markte enthauptet wurde, erinnerte sich Richelieu Morin's und nahm ihn in die Dienste des Hofes. Morins Berechnungen erfüllten sich auch in seiner neuen Stellung mit schier unheimlicher Sicherheit. Als sich der Kardinal an ihn wandte, um von ihm zu erfahren, wie lange der Schwedenkönig Gustav Adolf regieren werde, bestimmte Morin dessen Tod nur um wenige Tage ungenau. Bei der Berechnung des Sterbetages des Kardinales selber verfehlte er sich nur um 10 Stunden. Weil er sich dergestalt so gut wie nie irrte, verlieh Kardinal Mazarin Morin wegen seiner hervorragenden Prognosen schließlich eine jährliche Pension von 2000 Livres, die sogar pünktlich zur Auszahlung gelangte! Die Prognosen dieses genialen Astrologen galten seinen Zeitgenossen mit Recht als unbedingt verläßlich. Man rechnete mit ihrem Eintreffen wie mit Physikalischen Gesetzen. Wer immer in Staat und Kirche von Bedeutung war, mußte genau von ihnen unterrichtet sein. Morin hatte das Horoskop des Sonnenkönigs veröffentlicht. M. Colbert hielt es darum nach dem Tagebuch den Herrn de Chantelou über die Reise des Cavaliere Bernini nach Frankreich (Dtsch. v. Hans Rote, München 1919, S. 203) bereits 1665 für selbstverständlich, daß der König noch fünfzig Jahre zu leben habe. Tatsächlich starb Ludwig XVI. am 1. September 1715.

Morin ist der letzte bedeutende Astrologe. Nach ihm gerät die Sternlehre gänzlich in Verfall, um sich erst zu Ende des XVIII., eigentlich mehr im XIX. Jahrhundert langsam und allmählich wieder hervorzuwagen. Die erste Erwähnung einer bewahrheiteten Prognose in dieser Periode findet sich da in einem Aufsatz über Astrologie der Augustnummer 1903 der französischen illustrierten Monatsschrift "Lecture pour tous", wonach der Astrologe Pierre le CLERC dem Artillerieleutnant Buonaparte aus seinem Horoskop berechnet haben soll, daß er Frankreich und einen Großteil Europas beherrschen werde. Napoleon glaubte auch fest an "seinen Stern", sobald die ersten Erfolge diese Prognose zu bestätigen schienen.

Zwei Generationen später prognostizierte der britische Hauptmann MORRISON (Zadkiel) im Jahre 1831 der damals 13jährigen Prinzessin Viktoria von England, daß sie im Alter von 20 Jahren und 9 Monaten heiraten werde, wie es auch eintraf. Etwa gleichzeitig gelang dem Münchener Tischlermeisier Carl VOGT durch Berechnung der günstigsten Zeit für Lotteriegewinne der Erwerb einen ausreichenden Vermögens, wie derselbe dann auch 1860 auf astrologischem Wege den Krimkrieg, den Tod des Zaren Nikolaus, das Schicksal Napoleons III. und sogar das einige Deutschland vorherverkündet hat.

Glänzende Erfolge haben die englischen Astrologen der Gegenwart aufzuweisen, Geo WILDE veröffentlichte 1894 ein Horoskop, das in der "Neuen Metaphysischen Rundschau", Bd. III, Heft 7, (1900) wiedergegeben wurde. Er berechnet darin den Thronverlust der Romanow für 1915 und deutet auch das tragische Geschick der kaiserlichen Familie an. König Georg V. ist von ihnen bereits in seinem zweiten Lebensjahre die Königswürde verheißen worden, obwohl sein Bruder kerngesund war. J. PEARNE wußte den Beginn und Ausgang des Burenkrieges richtig zu ermitteln. RAPHAEL hat den amerikanisch-spanischen Krieg um Kuba wahrheitsgemäß vorher berechnet. In Zadkiels "Almanac" waren in den Jahren 1905 bis 1909 eine Reihe wichtiger Erdbebenprognosen, z. B. Lahore, nach Zeit und Ort, geographischer Länge und Breite, richtig vorausbestimmt. Ebenso vermochte der Jesuit P. Jerome Sixtus RICARD auf astrometenrologischem Wege Erdbeben vorherzusagen, z. B. im Jahre 1911, wo ihm dies dem Dozenten für Mathematik an der Universität, Prof. Dr. Albert Porta gegenüber auf Tag und Stunde gelang. Damals erlitt Kalifornien am 1. Juli um 2 Uhr nachmittags das größte Erdbeben, das seit 1906 dort zu verzeichnen ist. Seither sind die bedeutendsten Wissenschaftler unter Führung des bekannten Erdbebenforschers Maxwell H. Allen und Dr. Albert J. Newlins vom Observatorium der Universität Santa Clara in San José (Kalifornien) darüber einig, daß die Erdbeben tatsächlich durch die vereinten Einwirkungen der Gezeiten von Sonne und Mond auf die Erde verursacht werden (wenigstens in bestimmten Fällen).

Magnon de Gramselves veröffentlichte im Jahre 1885 die Prognose für "den gewaltsamen Tod des Königs Humbert von Italien in der Zeit vom Mai bis Juni 1900" und die Zeitschrift "Modern Astrology" sagte im Juli 1901 einen Todesfall im englischen Königshause für die Zeit vom 23. Juli bis 22. August des Jahres voraus. Beide Voraussagen sind eingetroffen: Am 29. Juni 1900 erfolgte das Attentat auf König Humbert, das seinen Tod herbeiführte, und am 5. August 1901 starb Kaiserin Friedrich.

Daß englische und amerikanische Astrologen den Weltkrieg richtig zu berechnen wußten, ist umso weniger erstaunlich, wenn man bedenkt, daß sich auch deutsche Astrologen über den Ausgang durchaus im Klaren waren, allerdings ohne ihre diesbezüglichen Prognosen veröffentlichen zu dürfen. Immerhin publizierte Ernst TIEDE schon 1914 seine Berechnungen über die Eroberung und Wiedererrichtung Polens, sowie die Ermordung des Zaren Niklaus II. und bestimmt Elisabeth EBERTIN in ihrer 1915 gedruckten Broschüre "Königliche Nativitäten" das Unheil, welches das Jahr 1918 über das deutsche Kaiserhaus bringen werde.

Wenn man jedoch alle diese Zeugnisse, auch SEPHARIAL's Weltkriegsprognosen und ALAN LEO's Berechnungen über den Zaren oder Wilhelm II. und seinen Thronverlust, streichen würde, dann blieben immer noch die erstaunlichen Forschungen des Physikers Rudolf Mewes, der schon 1893, also in einer Zeit tiefsten Friedens, die Ereignisse des Weltkrieges für die Zeit ihres tatsächlichen Eintritts vorherberechnete.

Wem aber politische Prognosen prinzipiell verdächtig erscheinen und wer sich auch nicht von den unbestreitbaren Erfolgen des amerikanischen Astrologen LEE bezüglich der Berechnungen von Börsenkursen und den auf den Tag eingetroffenen Prognosen vom Zusammenbruch der Danat-Bank 1931, dem Sieg Hitlers 1933, in einer ganzen Reihe von deutschen astrologischen Veröffentlichungen oder der Prognose vom Brande im Reichstag durch Herrn Werner im Ebertin-Kalender (1932, S. 95, vorgelegen am 20. Juni 1931) usw. überzeugen lassen will, dem seien noch folgende Fälle genannt.

Der Großmeister des Martinistenordens, Dr. med. d'Encausse (PAPUS) teilte Monate vor seinem Tode seinen Familienangehörigen mit, daß er bald sterben werde und gab auch dem ihm behandelnden Arzt den unanfechtbaren Beweis, daß er sich seinen gegen alle medizinische Wahrscheinlichkeit eintretenden Tod genau vorher berechnet hatte.

Auch der österreichische Astrologe Kapitän F. S. SCHWICKERT (Sindbad), dem Bailey den Tod irrtümlich schon für 1926 prognostiziert hatte, war sich auf Grund seines Horoskopes über das vier Jahre später erfolgende Ableben nach Jahr und Monat völlig im Klaren, wie er seinen noch lebenden Freunden mehrfach bewies.

G. W. SURYA veröffentlicht ferner in "Das Uebersinnliche und Weltkrieg" Freiburg i. Br. 1921, S. 37 ff. das Horoskop Kurt Eisners nach den Berechnungen der Frau von der MEDEN mit folgendem Kommentar:

"Endlich hat die Astrologin Frau M. A. von der Meden in München den Tod Kurt Eisners, der bekanntlich am 21. Februar 1919 ermordet wurde, bereits Ende 1918 auf den Tag genau vorausgesagt. Und zwar hat sie vorausgesagt, daß Kurt Eisner auf einem kleinen Weg außerhalb seines Hauses durch ein Attentat von der Hand des Adels fallen werde. Der Tod werde durch Erstickung und Kopfverletzung eintreten.

Kurt Eisner bekam in der Tat zwei Schüsse durch Graf Arco. Einer zertrümmerte die Hirnschale, und der zweite Schuß ging durch die Lunge mit Bluterguß in die Luftröhre. Dadurch trat der Erstickungstod ein. Von bloßem "Zufall" kann hier kaum mehr die Rede sein. Von dieser Voraussage wußte hier in München mindestens ein Dutzend Personen und dann die Anverwandten der Frau v. d. Meden in Hamburg. Auch Stadtrat Hans Ludwig Held und Herr Theodor H. bekamen eine schriftliche Aufstellung über das Ende Eisners bereits im November 1918. Stadtrat Held hat dies wie ich selbst Einsicht genommen habe Frau v. d. Meden bestätigt. Auch zeigte mir Frau v. d. M. das Original-Horoskop Kurt Eisners und erklärte mir darin die fataten Aspekte und Direktionen.

Eisner selbst wußte nichts von diesem Horoskop. Er konnte also nicht durch "Autosuggestion" oder Einstellung das Verhängnis herbeigezogen haben. Ebenso ist Frau v. d. M. nicht mit dem Grafen Arco bekannt oder in Verbindung gewesen. Sie stellte das Horoskop nur auf Grund seiner auf telefonischem Wege eingeholten Geburtsdaten."

Weiterhin bestätigt der k. und k. Kabinettsdirektor Kaiser Karls, Graf Polzer - Hoditz, im "Neuen Wiener Journal", daß der Wiener Astrologe GARTENBERG bereits 1917 dem unglücklichen Monarchen ein Horoskop gestellt habe, das diesem aber wegen der darin enthaltenen Prognosen von seiner Umgebung verheimlicht wurde. Denn Kriegsverlust und Verlust der Krone 1918, Exil und im Spätherbst 1921 Krankheit, Tod und sonstige schwere Ereignisse, was alles im nächsten Frühjahr zur endgültigen Auslösung kommen sollte, das waren Dinge, die man S. Majestät doch unmöglich unterbreiten konnte ...

Dr. H. H. Kritzinger bestätigt (Spaziergänge durch den Weltenraum, Berlin 1927) den 1924 von der deutschen Astrologin Elsbeth Ebertin mit Bestimmtheit vorherberechneten Tod Dr. Helfferichs, der bekanntlich am 23. IV. einem Eisenbahnunfall zum Opfer fiel, sowie den Tod des ersten Reichspräsidenten Dr. Ebert, den überdies auch Frank Glahn in seinem Astrologischen Kalender für das Jahr 1925 unzweifelhaft angedeutet hatte, indem er für Ende Februar 1925 "Schwierigkeiten für die Regierung" festlegte und für den 27.: "Kritischer Tag. Bemerkenswerter Todesfall."

Daß von englischen und amerikanischen Astrologen der Tod der Präsidenten Wilson und Barding richtig vorherverkündet wurde, sei nur nebenbei erwähnt.

Zuletzt sei noch der Voraussagen auf das Jahr 1931 Erwähnung getan, wie sie Dr. J. MAXWELL vom Kassationsgerichtshof Bordeaux in der November/Dezember-Nummer der Zeitschrift "La Cote d' Argent" veröffentlichen ließ. Es heißt dort unter vielen anderen Dingen, die sich bestätigt haben: "La periode, dont le 5 janvier est le centre, menace la famille royale (d'Angleterre) dans un de ses membres du sexe feminin plutot que du sexe masculin." Zu Deutsch: "Diese Periode zentriert sich um den 5. Januar und bedroht die königliche Familie (Englands), jedoch mehr in einem ihrer weiblichen Mitglieder als einem männlichen." Tatsächlich starb am 4. Januar die Prinzessin Alexandra.

Von bewundernswerter Sicherheit sind ferner die jährlichen, vierteljährlichen und monatlichen Prognosen der Zeitschrift "L'Astrosophie", die zumal in der letzten Zeit eine erstaunliche Trefferfülle aufzuweisen haben, so den Unfall des Grafen Czaykowski beim Autorennen in Monza, den Anschlag auf Dr. Dollfuß, den Einfluß des Vatikans auf Österreich, das Erdbeben von Hakodate, den Sturz des Herzogs von Gloucester bei der Steeplechase in Oxford, den Diebstahl des Genter Altarbildes u. dgl. ..

Die illustrierte Zeitschrift "Vu" gab in der Nummer 302 vom 27. Dezember 1933 p. 1903 als astrologische Prognose bekannt: "Gefahr für einen König ... der belgische König wird (davon) ereilt." Geschrieben und gedruckt sechs Wochen vor dem tragischen Unfall König Alberts. Usw.

Wirft man einen kritischen Überblick über die in der vorliegenden Schrift berichteten astrologischen Trefferprognosen sie könnten natürlich beliebig vermehrt werden , dann wird man wohl manches lächelnd als fromme Anekdote beiseite schieben, anderes wenigstens mit einem Fragezeichen versehen. Es bleibt aber noch immer genug, um für jede Periode der Geschichte, Altertum, Renaissance und Neuzeit die Möglichkeit und Tatsächlichkeit einer richtigen astrologischen Zukunftsberechnung endgültig festzulegen. Der von der großen Masse geforderte "Beweis" für die astrologische Wissenschaft kann damit als erbracht gelten.

Tiefer Schürfenden erhebt sich nun die Frage, ob es wohl möglich wäre, den errechneten Geschehnissen auszuweichen oder dieselben zu verändern. Von unwissenschaftlichen Autoren pflegt nicht selten eine solche Möglichkeit bejaht zu werden, gewöhnlich unter Berufung auf den mißkanten Spruch: "Der Weise beherrscht die Sterne" und wohl auch in Hinblick auf eine vollkommen falsch verstandene Willensfreiheit. Denn unsere Willensfreiheit richtet sich nicht so sehr auf das, was wir durch, in und mit den Dingen (außer uns) erleben, sondern vielmehr darin, wie wir uns zu den Dingen (bzw. Erlebnissen) innerlich verhalten. Wie sagt doch Goethe?

Nach ewigen, ehernen,

großen Gesetzen

Müssen wir alle

Unseres Daseins

Kreise vollenden.

Das Vorbestimmte es ist nicht alles vorbestimmt vermag niemand zu ändern. Sindbad (F. S. Schwickert) berichtet hierzu in "Mensch und Kosmos" I, 7: "Wenn das Beherrschen der Sterne in der Art möglich wäre, daß man z. B. einem astrologisch ganz bestimmt und eindeutig vorauszusehenden Unfall durch geeignete Maßnahmen entgehen könnte, so wäre damit das ganze astrologische Lehrgebäude zusammengebrochen.

Der bekannte englische Astrologe John VARLEY wollte eines Tages einem von ihm selbst genauestens berechneten Unfall dadurch entgehen, daß er sich in sein Schreibzimmer einschloß und seinem Diener befahl, ihn unter keiner Bedingung stören zu lassen. Als bei Einbruch der Nacht das Feuer seines Ofens auszugehen drohte und er in seinem Zimmer vergeblich nach Kohlen suchte, öffnete er die Tür und trat hinaus, um seinen Diener zu rufen. Dabei stolperte er über den von seinem Diener vor die Tür gestellten Kohlenkübel und brach ein Bein.

Ein zweiter bis zum Überdruß wiederholter Gemeinplatz lautet: "Charakter ist Schicksal"; auch das ist nur bedingt richtig, insofern als der Charakter mitunter ein mitwirkender Faktor einzelner Schicksalsschläge sein kann, vor allem aber insoferne, als er vorwiegend über die Art und Weise entscheidet, wie man Schicksalsschlägen zu entgehen trachtet oder sie nach ihrem doch erfolgten Eintritt erträgt. Dieser Zusammenhang ist ja auch oft in der Nativität dadurch angedeutet, daß die gewisse Charaktereigenschaften anzeigenden astralen Faktoren auch auf Erlebnisse determiniert sein können. aber nicht müssen.

Einer der friedlichsten und edelsten Forscher der berühmte italienische Astrologe Valentin NAIBOD der bekanntlich in grausamster Weise durch Einbrecher ermordet wurde hat gerade durch Maßnahmen, die er zur Verhinderung dieses von ihm vorausgesehenen Ereignisses traf, an der Art seines Todes mitgewirkt.

Was aber hat Naibods Charakter mit dem seines Todes zu tun, der grausamer als der eines Verbrechers war?"

Mit solchen Beispielen widerlegt Sindbad die Gemeinplätze, daß der Weise die Sterne beherrsche und der Charakter immer auch das Schicksal sei. Wie sagt doch Calderón in "Das Leben ein Traum"?

Unwiderstehlich ist des Schicksals Lenkung,

Und oft gefahrvoll, sie voraus erfahren;

Nicht schützen kann sich menschliche Beschränkung,

Gefahren fliehn, das bringt erst in Gefahren.

Die Geschichte bezeugt, daß es gerade die Weisesten ihrer Zeit waren und die stärksten Charaktere, deren gewaltiges Geschick am eindeutigsten aus den Sternen ermittelt werden konnte, ein Schicksal mannigfach und vielseitig wie das Leben selber, das aber doch keiner der davon Betroffenen zu ändern vermocht hätte. Die Astrologie ist eine auf Erfahrung gegründete Wissenschaft und als solche begnügt sie sich, die einfache Tatsache zu registrieren. Warum das so ist, vermag sie nicht zu sagen, so wenig wie etwa die Physik die Frage beantworten kann, warum Wasserstoff und Sauerstoff Knallgas ergeben oder die Astronomie, warum die Bahn des Mondes gerade eine derartige ist, daß der Erdschatten mitunter den Mond verfinstert. Gläubige Geister helfen sich freilich über dieses Warum leicht hinweg, sei es mit der indischen Karmahypothese oder mit dem kirchlichen Vorsehungsdogma. Wer jedoch nur auf dem Boden wissenschaftlicher Tatsachen verbleiben will, der kann aus der Geschichte der Sternlehre allein die Moral ziehen, daß man dem Unausweichlichen mutig und entschlossen ins Auge sehen solle und das Schwert erst dann fallen lassen dürfe, wenn es vollkommen zerbrochen ist.

Ducunt fata volentem, nolentem trahunt.

Den Willigen führt das Schicksal, den Widerstrebenden zwingt es.


(1) Hier ist nicht klar, was für "große Konjunktionen" in Zusammenhang mit Saturn gemeint sind. Um Große Konjunktionen im üblichen Sinne, nämlich Konjunktionen von Jupiter und Saturn, kann es sich jedenfalls nicht handeln: Sie fanden 1782 (Schütze) und 1802 (Jungfrau) statt, nicht zu den angegebenen Jahreszahlen. [RP]

(2) Die Jahreszah 1789 d'Aillys gründet nicht nur auf der Theorie der Großen Konjunktionen und der Saturnumläufe, sondern auch auf der Theorie der "Trepidation der achten Sphäre" des Thabit ibn Qurrah, einer zu seiner Zeit geläufigen Präzessionstheorie. Siehe hierzu meinen Artikel bei astrologix. [RP]

(3) Für diese Angabe ist mir kein Beleg bekannt, obwhl ich mich gerade mit der Todesprognose des Cardano ausführlich befaßt habe. Richtig ist zwar, daß sich Cardano den eigenen Tod vorhergesagt hatte, aber für ein viel zu frühes Datum, das er um einige Jahrzehnte überlebte. Auch hierzu gibt es einen Beitrag bei astrologix. [RP]

 


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