Materialien zur Astrologie

Bis ins 17. Jahrhundert war die Astrologie ein fester Bestandteil unserer Kultur. Sie gehört zu unserer Tradition. Unsere Begriffe von der Welt, unsere Art, in Analogien zu denken und Assoziationen zu bilden, unsere Sprache, unser Denken - all dies ist geschichtlich mit der Astrologie verwachsen. Auch ist die Sprache der planetaren und zodiakalen Symbole von einer genialen Einfachheit und Tiefe zugleich.

Astrologie ist keine Wissenschaft - auch keine potentielle, keine Kandidatin für eine noch zu validierende Wissenschaft - sie ist aber auch keine Religion. Astrologie ist eine Übung in der Kunst, die hintergründige Zeichenhaftigkeit der Welt zu erahnen. Die darin enthaltene Anschauung, daß der Mensch sich nicht restlos seines Lebens bemächtigen kann, daß sein Handeln aus freiem Entschluß zugleich in Kreise eingefügt ist, die sein bewußtes Planen und Wollen überschreiten, kann die Astrologie für manche zu einer Wegweiserin zur Religion machen. Im Unterschied zur Religion bleibt Astrologie aber Teil dieser Welt, wenn sie auch auf Zusammenhänge hinweist, die sie selbst nicht mehr erklären kann. Was sie zu sagen hat, ist gewiß "nicht zum Heile notwendig": sie trifft Aussagen über innerweltliche Beziehungszusammenhänge, auch wenn diese bereits jenseits des Wissenschaftlichen, des Systematisierbaren und empirisch-statistisch Nachprüfbaren liegen. Man kann sie als (vorgebliches oder echtes) Zeugnis eines geheimnisvollen inneren Weltzusammenhangs stehen lassen. Astrologie ersetzt keine Religion – die orientalischen Astralkulte, die ihr erstes Auftreten in der Geschichte markieren, haben zu Unrecht den Diener zum Herrn, das Geschaffene zu etwas Anzubetendem gemacht.